Der 39-Jährige Sven R. muss sich seit Dienstag wegen des Vorwurfs der besonders schweren Untreue vor dem Landgericht Frankfurt verantworten. Seit Ende 2023 nutzte er für seine Taten aus, wie bei der Deutschen Bank mit grösseren Überweisungen umgegangen wird, bis er im Frühjahr 2025 schliesslich aufflog.

«Ich habe das Vertrauen von Menschen missbraucht, das sie mir über Jahre entgegengebracht haben, Kunden, Kollegen, Vorgesetzte», sagte Sven R. «Ich bereue jede einzelne Überweisung.»

Der Angeklagte erklärte, er habe Konten vermögenderer Kunden - darunter Millionäre - angezapft, weil ihnen die für sie relativ niedrigen Beträge möglicherweise nicht auffallen würden. Er begann mit Überweisungen von 50'000 bis 81'500 Euro und nahm sich später auch kleinere Beträge von 2500 Euro aus einem Nachlass. Rund ein halbes Dutzend Kunden waren betroffen.

Wenn Kunden etwas bemerkten, schob er interne Fehler vor und buchte Beträge zurück. Er verwendete Gelder anderer Kunden, um diese Lücken zu schliessen. Irgendwann habe er aber den Überblick verloren, so Sven R.

Die Deutsche Bank teilte mit, sie bedauere den Vorfall in ihrer Frankfurter Filiale. Dieser sei durch das Handeln eines einzelnen Mitarbeiters verursacht worden, den die Bank mit sofortiger Wirkung entlassen habe. Alle betroffenen Kunden seien informiert und entschädigt worden.

Die Bank habe seither ihre Kontrollmechanismen verstärkt und das Bewusstsein für derartige Betrugsformen in der deutschen Vertriebs- und Filialorganisation geschärft, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme mitteilte.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft durchsuchte im Juli die Frankfurter Filiale. Wie mit dem Verfahren vertraute Personen damals sagten, suchten die Ermittler nach Hinweisen, ob die internen Kontrollen der Deutschen Bank ausreichend waren.

Manipulierte E-Mails

Sven R. schilderte, wie er die Abläufe im Privatkundengeschäft ausnutzte. Vermögende Kunden riefen häufig an oder schickten E-Mails, um Geld transferieren zu lassen. Kundenbetreuer sagten ihnen nicht so gerne, dass sie Online-Banking nutzen oder ein Fax schicken müssten. Nach den internen Regeln mussten zwei Mitarbeiter Überweisungen ab 2500 Euro freigeben und durften sich dabei nicht allein auf E-Mails verlassen. In der Praxis wurde jedoch häufig nach einer E-Mail nicht nochmals per Rückruf geprüft, ob sie tatsächlich vom Absender stammte. Dies sei so üblich und innerhalb der Bank auch bekannt gewesen, sagte er.

Wie Sven R. den Richtern sagte, manipulierte er zudem häufig E-Mails von Kunden und leitete sie anschliessend an einen Kollegen weiter, um die zweite Freigabe für seine Überweisungen zu erhalten.

Sven R. setzte für seine Taten ein Konto und ein Depot seiner Schwiegermutter bei der Deutschen Bank ein, die er beide kontrollierte. Anschliessend überwies er das Geld an eine andere Bank. Er hoffte, dort mittels Derivategeschäften schnell Gewinne zu erzielen und so die abgezweigten Summen zurückzahlen zu können. Er verlor jedoch den grössten Teil, am Ende blieben nur 48'000 Euro.

Wie der ehemalige Banker sagte, begann er mit seinen Taten, weil er im Jahre 2023 finanziell unter Druck geraten war. Er hatte die Ersparnisse seiner Familie in Höhe von 50'000 Euro bei riskanten Finanzwetten verloren. Gleichzeitig wurde sein drittes Kind geboren und das Haus der Familie musste umgebaut werden.

(Bloomberg/cash)

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