EZB-Chefvolkswirt ‌Philip ⁠Lane trat damit am Mittwoch bei einem Universitätsvortrag Sorgen entgegen, dass sich ⁠der rasante Preisauftrieb verfestigen könnte. «Wir sehen keine grosse Reaktion auf den Energieschock», sagte Lane. ‌Die Menschen wüssten zwar, dass die Lebenshaltungskosten stärker ‌stiegen als erwartet. Viele Unternehmen ​hielten jedoch dagegen und verwiesen auf die Konkurrenz aus China sowie darauf, dass bei zu hohen Lohnforderungen KI-Roboter einsatzbereit seien.

Die Teuerungsrate war im August auf über drei Prozent gestiegen. Wegen der Spannungen im Iran ‌und der damit verbundenen höheren Benzin- und Gaspreise rechnen einige Experten bis zum Jahresende mit einem Anstieg auf vier Prozent. Der Preisschub bei Energie ​hat an den Finanzmärkten die Wetten auf weitere ​Zinserhöhungen der EZB angeheizt. Investoren erwarten nun ​drei oder vier weitere Schritte zusätzlich zu den Anhebungen im Juni und September. ‌Rechne man aber die Risikoprämie aus den Marktdaten heraus, liege der Zinsgipfel im kommenden Jahr knapp über drei Prozent und werde bis Ende ​2027 wieder ​sinken, sagte Lane. Dies deute ⁠darauf hin, dass tatsächlich nur zwei weitere ​Zinserhöhungen eingepreist seien.

Lane ⁠sagte, die Energiepreise dürften bis Mitte kommenden Jahres dem ungünstigen Szenario ‌der EZB folgen und erst danach auf den Basispfad zurückkehren. Dies sei ein potenzielles Risiko. Zudem wies er auf ‌die niedrigen Erdgas-Vorräte hin. Energieunternehmen hatten die Auffüllung ihrer ​Bestände im Sommer verzögert. Die Speicherstände liegen mit 70 Prozent um 16 Prozentpunkte unter ihrem historischen Durchschnitt.

(Reuters)