EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat das weitere Vorgehen der Europäischen Zentralbank auf ihrem Zinserhöhungskurs im Kampf gegen die Inflation offen gelassen. Die deutsche Volkswirtin sprach sich dabei für ein von Konjunkturdaten abhängiges Vorgehen aus, wie Schnabel am Donnerstag auf einer Veranstaltung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt laut Redetext erläuterte.
«Bei diesem datenabhängigen Ansatz können wir nicht vorhersagen, wo der Zinsgipfel liegen wird oder wie lange die Zinsen auf einem restriktiven Niveau gehalten werden müssen», sagte das Mitglied des sechsköpfigen EZB-Führungsgremiums. Dabei könne sich die EZB auch nicht auf künftige Schritte festlegen. Die nächste Zinssitzung der Euro-Wächter ist am 14. September
Einen weiteren Zinsschritt nach oben gegen das Versprechen einzutauschen, die Zinsen für eine längere Zeit auf einem hohen Niveau zu belassen, lehnte Schnabel ab. «Nach mehr als einem Jahr erheblicher geldpolitischer Straffung bleiben die Aussichten für den Euroraum nach wie vor äusserst unsicher», sagte sie.
Die Wirtschaftstätigkeit habe sich sichtbar abgeschwächt und nach vorne blickende Konjunkturindikatoren wiesen auf eine kommende Schwäche hin. «Es gibt jedoch nach wie vor wichtige Bereiche, die sich als widerstandsfähig erweisen, insbesondere der Arbeitsmarkt», so Schnabel. Zwar sei die Gesamtinflation im Euroraum inzwischen zurückgegangen. Aber der zugrundeliegende Preisdruck sei nach wie vor hartnäckig stark.
Die Euro-Wächter haben in ihrem Kampf gegen die Inflation seit Sommer 2022 bereits neun Mal in Folge die Zinsen angehoben - zuletzt im Juli um einen viertel Prozentpunkt. Der am Finanzmarkt richtungsweisende Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt inzwischen bei 3,75 Prozent.
Auch EZB-Chefin Christine Lagarde liess zuletzt offen, ob die Zinserhöhungsserie im September fortgesetzt wird oder nicht.
(Reuters)
