EZB-Einlagefazilität - Händler geht Millionen-Wette auf EZB-Zinssatz von minus 1 Prozent ein

Investoren wetten darauf, dass die Massnahmen der Notenbanken zur Bekämpfung der Corona-Krise nicht ausreichen und die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen weiter senken muss.
07.05.2020 17:26
Turm der Europäischen Zentralbank im Frankfurt am Main.
Turm der Europäischen Zentralbank im Frankfurt am Main.
Bild: imago images

Die Europäische Zentralbank hat es den Banken aufgebürdet, die Erholung der von der Pandemie betroffenen Wirtschaft zu finanzieren, als sie letzte Woche die Kreditbedingungen lockerte. Einige Investoren wetten jedoch mittlerweile darauf, dass ihre Massnahmen nicht ausreichen.

Ein Händler hat diese Woche über 100'000 Optionen auf Zinsfutures angehäuft, die ihm ein hübsches Sümmchen bescheren, wenn die EZB ihren nbis Anfang nächsten Jahres auf minus 1 Prozent senkt, erklärte ein Händler in London, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Einlagensatz des Instituts liegt derzeit bei minus 0,5 Prozent.

Bei ihrer Überprüfung der Geldpolitik am 30. April hat die Zentralbank den Zinssatz für langfristige Kreditfazilitäten angepasst, um die Banken zu ermutigen, mehr Kredite aufzunehmen und die Kreditvergabe zu fördern - wodurch praktisch die Finanzierungsbedingungen gelockert wurden. Tatsächliche Zinssenkungen könnten jedoch angebracht sein, wenn die indirekten Massnahmen die Wirtschaft nicht ausreichend stützen. Nach Ansicht der EZB wird das BIP der Region in diesem Jahr um bis zu 12 Prozent schrumpfen.

Potenzielle Gewinn theoretisch unbegrenzt

Die Optionen werden ausgezahlt, wenn die Euribor-Futures im März, die an den Zinssatz gebunden sind, zu dem die Banken untereinander Kredite gewähren, von derzeit 100,44 auf über 100,75 steigen. Dies würde erfordern, dass der Dreimonats-Euribor-Satz von derzeit etwa minus 0,27 Prozent um fast 50 Basispunkte sinkt, was nur möglich ist, wenn die EZB den Einlagensatz auf minus 1 Prozent reduziert.

Theoretisch ist der potenzielle Gewinn aus der Wette unbegrenzt, da die EZB die Zinsen unbegrenzt senken kann. Sie wird jedoch mindestens 60 Millionen Euro einbringen, wenn die März-Euribor-Futures auf 101,00 steigen, was einer Zinssenkung auf rund minus 1,25 Prozent entspricht. Der Investor kann seine Optionen auch jederzeit vor März verkaufen und profitieren, wenn die Wetten auf weitere Zinssenkungen am Markt zunehmen.

Zwar rechnen die Geldmärkte bis März nur mit EZB-Zinsschritten um 10 Basispunkte, allerdings überraschte die norwegische Zentralbank die Investoren am Donnerstag mit einer Reduzierung der Zinsen auf Null.

(Bloomberg)