Der EZB-Rat hob am Donnerstag den auch für Sparer wichtigen Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent an. Über ihn steuert die Notenbank massgeblich ihre Geldpolitik.
Zuletzt hatten die Währungshüter im September 2023 die Zinsen heraufgesetzt. Befeuert von hohen Energiekosten war die Teuerungsrate im Euroraum zuletzt mit 3,2 Prozent deutlich über das EZB-Ziel von 2,0 Prozent hinausgeschossen. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September mit einer weiteren Zinsanhebung.
Mehr Inflation und weniger Wachstum
Die EZB rechnet wegen des Iran-Kriegs mit mehr Inflation und weniger Wirtschaftswachstum im Euroraum. Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank für dieses Jahr eine Teuerungsrate von durchschnittlich 3,0 Prozent.
Der Wert liegt deutlich über der mittelfristig angepeilten Marke von 2,0 Prozent, bei der die EZB ihr wichtigstes Ziel gewahrt sieht: Für einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten.
Noch im Dezember war die EZB für 2026 von einer Inflationsrate von 1,9 Prozent ausgegangen. Doch schon im März korrigierte die Notenbank dies auf 2,6 Prozent nach oben, weil der Krieg im Nahen Osten die Energiepreise nach oben trieb.
Auch im Jahr 2027 erwartet die EZB nun mit 2,3 Prozent eine Inflationsrate über ihrem Mittelfristziel. Die Marke von 2,0 Prozent wird nach jüngster Prognose der EZB erst 2028 punktgenau erreicht.
Die Aussichten für die Wirtschaft im Euroraum trüben sich zugleich ein. Die EZB erwartet im laufenden Jahr nur noch 0,8 Prozent Wachstum, 2027 dann 1,2 Prozent. Damit senkte die Notenbank ihre Prognose wegen der Kriegsfolgen und höherer Energiepreise erneut. Noch im März hatte sie für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent erwartet und ein Plus von 1,3 Prozent für 2027.
Die Wirtschaft im Währungsraum bekommt den Ölpreisschock und die gestiegene Unsicherheit wegen der Kämpfe im Nahen Osten zu spüren. Im ersten Quartal schrumpfte sie leicht.
(Reuters/AWP)

