Trotz hartnäckig hoher Inflation hält die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins vorerst konstant. Sie beliess den zum Steuern der Geldpolitik massgeblichen Einlagensatz am Donnerstag bei 2,50 Prozent. ‌Nur ⁠wenige Stunden zuvor hatte die EZB den vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin Christine Lagarde für ⁠Februar 2027 bekanntgegeben und damit monatelange Personalspekulationen beendet. Experten warten nun gespannt darauf, wie sich Lagarde auf der Pressekonferenz ‌nach dem Zinsbeschluss zu ihren Zukunftsplänen äussern wird. Ihr Abgang macht ‌den Weg für eine Paketlösung frei, die ​weitere Führungsposten umfasst - darunter die Nachfolge von EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die Anfang Januar 2027 zum Internationalen Währungsfonds wechselt.

Die Hüter des Euro hatten im Juni erstmals seit fast drei Jahren den Leitzins angehoben und im September nachgelegt. Mit einer Inflationsrate von zuletzt 3,8 Prozent im ‌Euroraum ist die Zentralbank jedoch noch weit von ihrem Ziel einer Teuerung von 2,0 Prozent entfernt. Die EZB bleibt daher wachsam: 2Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich ​die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert", ​heisst es im Begleittext zum Zinsentscheid.

An den Finanzmärkten wird ​eine weitere Zinserhöhung für Dezember erwartet, sollte die von gestiegenen Energiepreisen im Zuge des Iran-Krieges angefachte Inflation nicht ‌abflauen. Zwar haben die Währungshüter keinen Einfluss auf die Öl- und Gaspreise. Doch sie wollen verhindern, dass sich durch die teure Energie sogenannte Zweitrundeneffekte entwickeln. Damit ist gemeint, dass sich Löhne und ​Preise ​hochschaukeln und die Inflation verfestigen.

Schuldenkrise Frankreichs im Fokus

Auch ⁠die Schuldenkrise in Lagardes Heimatland Frankreich bereitet den Währungshütern ​immer grösseres Kopfzerbrechen: Der Schuldenberg ⁠der zweitgrössten Volkswirtschaft der Euro-Zone ist auf einen Nachkriegsrekord von 119 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. ‌Die Sorge der Anleger über die angespannte Haushaltslage hat die Renditen für französische Staatsanleihen nach oben getrieben, was die Kreditaufnahme des Staates spürbar verteuert.

Die EZB verfügt ‌mit dem Transmission Protection Instrument (TPI) über ein Programm, mit dem ​sie unbegrenzt Staatsanleihen eines in Bedrängnis geratenen Euro-Landes kaufen kann. Voraussetzung dafür ist aber, dass die steigenden Kreditkosten nicht durch eigenes Verschulden des Landes entstanden sind und die Märkte unverhältnismässig reagieren.

(Reuters)