Die EZB treibt den Leitzins im Kampf gegen die hartnäckige Inflation auf den höchsten Stand seit rund anderthalb ‌Jahren. ⁠Der Einlagensatz wurde um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent angehoben, ⁠wie der EZB-Rat am Donnerstag entschied. Experten hatten damit gerechnet. Ökonomen sagten in ersten ‌Reaktionen:

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV):

«Die Zinserhöhung ‌um 25 Basispunkte ist angesichts ​einer Inflationsrate von zuletzt 3,3 Prozent im Euro-Raum folgerichtig. Der erneute Inflationsschub geht allerdings vor allem auf stark gestiegene Energiepreise zurück. Bei der Kern- und Dienstleistungsinflation zeigt sich zuletzt dagegen eine leichte Entspannung. Für die ‌EZB bleibt es eine schwierige Abwägung. Sie muss verhindern, dass sich der Energieschock auf die breitere Preisentwicklung und die Inflationserwartungen überträgt, auch wenn die ​Zinserhöhung die Nachfrage dämpft, aber nicht direkt an ​den Angebotsschocks ansetzen kann. Mit der Zinserhöhung ​geht die Abwägung in die richtige Richtung.»

Ulrich Reuter, Präsident des Sparkassenverbands DSGV:

«Die ‌EZB hat heute konsequent gehandelt. Die höheren Energiepreise infolge der Sperrung der Strasse von Hormus kann sie zwar nicht verhindern, sie kann aber ​beeinflussen, ​dass die Preise nicht dauerhaft ⁠und auf breiter Front steigen. Die Inflationsrate im ​Euro-Raum ist im ⁠August auf 3,3 Prozent gestiegen. Neben den höheren Energiepreisen haben sich ‌in den vergangenen Wochen auch die Bedingungen an den Kapitalmärkten verändert. Insbesondere die langfristigen Zinsen sind bereits deutlich gestiegen. Gründe ‌dafür sind der anhaltende Inflationsdruck, aber auch wachsende ​Sorgen über die hohe Staatsverschuldung in vielen Ländern.»

Stefan Gerlach, Chefökonom EFG International: 

«Als die Inflation im späten Frühjahr anstieg, verzichtete die EZB zunächst auf eine Zinserhöhung, da sich die Wirtschaft des Euro-Raums unmittelbar nach Ausbruch des Golfkriegs abschwächte. Doch die Konjunktur hat sich gefestigt. Der kombinierte Einkaufsmanagerindex stieg im August über 50, was auf eine Expansion hindeutet, und lag über seinem Vorkriegsniveau. Der Euro-Raum hat den Energieschock offensichtlich besser verkraftet als befürchtet. Der Bericht der EZB vom Juli deutete bereits darauf hin, dass eine weitere Zinserhöhung wahrscheinlich sei, sofern sich die Inflationsaussichten nicht deutlich verbessern würden. Dies war nicht der Fall, und heute hat die EZB entsprechend gehandelt.»

(Reuters)