Die Finanzminister des Euroraums haben sich bei ihrem Treffen in Luxemburg auf den 28. Oktober als Bewerbungsfrist geeinigt, sagte Eurogruppen-Präsident Kyriakos Pierrakakis am Donnerstag. «Hoffentlich wird die Auswahl beim Treffen im November stattfinden.»

Dieser Zeitplan bestätigt einen früheren Bericht von Bloomberg. Die Möglichkeit, sich zugleich auf eine Nachfolge für Lagarde zu einigen, ist davon nicht betroffen.

«Wir eröffnen ein Auswahlverfahren für eine einzelne Position mit einem bestimmten Zeitrahmen», sagte Pierrakakis.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte kürzlich einen möglichen «grossen Deal» über diesen Posten und zwei weitere bevorstehende Vakanzen bei der EZB voraus. Schnabels Ausscheiden im Januar fällt zeitlich mit dem mutmasslichen vorzeitigen Abgang Lagardes und dem Ende der Amtszeit von Chefökonom Philip Lane im Mai zusammen.

Die EZB-Präsidentin hat mehrfach Hinweise auf einen vorzeitigen Abschied gegeben. Zuletzt sprach sie in der vergangenen Woche in einem Interview mit einer französischen Zeitung über die Möglichkeit, «ein paar Monate» vor dem Ende ihrer Amtszeit im kommenden Oktober aufzuhören.

Schnabels Wechsel zum Internationalen Währungsfonds hat den Entscheidungsdruck auf die Regierungen erhöht. Der italienische Finanzminister Giancarlo Giorgetti forderte Lagarde am vergangenen Freitag auf, ihre Pläne klarzustellen. Die Notenbankerin hat jedoch keine weiteren Hinweise darauf gegeben, wie lange sie im Amt bleiben will.

Da Schnabel aus Europas grösster Volkswirtschaft stammt, liegt es nach ihrem Ausscheiden im Wesentlichen an Berlin, eine Nachfolge vorzuschlagen und den deutschen Sitz im sechsköpfigen EZB-Direktorium zu sichern.

«Es ist klar, dass Deutschland innerhalb der Europäischen Zentralbank weiterhin eine wichtige und einflussreiche Rolle spielen wird - das werde ich gegenüber den europäischen Kollegen auch deutlich machen», sagte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am Donnerstag. «Die Personalentscheidung treffen wir dann in der Bundesregierung und werden dann gemeinsam etwas vorschlagen.»

Zu den möglichen deutschen Kandidaten zählen die Professoren Markus Brunnermeier von der Princeton University und Ulrike Malmendier von der Berkeley University sowie Tobias Adrian. Er hat gerade den Posten beim IWF verlassen, den Schnabel übernehmen wird. Auch der frühere Finanzminister Jörg Kukies könnte als Kandidat infrage kommen.

Bei jeder Ernennung haben die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union das letzte Wort. Da Schnabels Position ab Anfang Januar vakant sein wird, ist eine Entscheidung beim letzten Gipfeltreffen des Jahres im Dezember plausibel.

(Bloomberg)

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