Die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel tritt Anfang Januar vorzeitig ab und bringt damit ein Personalkarussel bei der EZB in Gang. Denn 2027 werden auch der EZB-Präsidentenposten und die Position des Chefvolkswirts neu besetzt. Die ‌grossen ⁠Länder des Währungsraums dürften hinter den Kulissen nun ausloten, wie sie ihre Kandidaten für diese wichtigen Posten in Stellung bringen können. ⁠Im Folgenden einige Erläuterungen zu dem zu erwartenden Personalgeschacher:

Wer geht?

Isabel Schnabel, im EZB-Direktorium für Marktoperationen zuständig, verlässt das Gremium Anfang Januar, um eine ‌Position beim Internationalen Währungsfonds (IWF) anzutreten. Die Amtszeit von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane endet am 31. Mai ‌2027.

Das Mandat von EZB-Präsidentin Christine Lagarde läuft bis zum 31. ​Oktober 2027. Allerdings halten sich hartnäckige Gerüchte, dass sie vorzeitig zurücktreten könnte. Die Französin hat bislang nur klargestellt, dass sie der EZB nicht vor 2027 den Rücken kehren wird.

Wer könnte sie ablösen?

Das ist die entscheidende Frage. Die Mitglieder des Direktoriums werden von den Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone ernannt, üblicherweise einzeln. Da jedoch mehrere Posten in rascher Folge frei ‌werden, ist es wahrscheinlicher, dass über ein umfassenderes Personalpaket verhandelt wird.

Als Favoriten für die Nachfolge Lagardes gelten der Spanier Pablo Hernandez de Cos, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sowie Klaas Knot, der frühere Chef der niederländischen Zentralbank. Ernennungen bei der EZB sind ​jedoch höchst politisch und oft Teil umfassenderer Verhandlungen zwischen europäischen Institutionen, sodass durchaus noch andere ​Kandidaten ins Spiel kommen könnten. Laut Bundesbankchef und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel ​kann jeder im EZB-Rat als hochqualifizierter Kandidat gelten. Und es gebe auch «starke Kandidatinnen und Kandidaten» ausserhalb des EZB-Rats, die in der Lage seien, diese ‌Aufgabe zu übernehmen. Letztlich werde es von der Politik entschieden.

Wie geht es weiter?

Durch Schnabels Weggang ist bereits eine Vakanz entstanden, sodass die Finanzminister der Euro-Zone schon im Oktober ein förmliches Auswahlverfahren einleiten können. Die übrigen Positionen werden erst zu einem ​späteren Zeitpunkt ​frei, doch dürften informelle Gespräche über ein umfassenderes Paket bereits im ⁠Vorfeld beginnen.

Da die Ernennungen miteinander verknüpft sind, ist zu erwarten, dass sich ​die Politiker zunächst auf ⁠einen Gesamtrahmen einigen und diesen dann schrittweise umsetzen, sobald die Stellen frei werden.

Wer macht das Rennen?

Es sind verschiedene Szenarien denkbar. Sollte ‌der als geldpolitischer Falke geltende Niederländer Knot Präsident werden, könnte der Posten des Chefvolkswirts an einen Kandidaten aus einem Land gehen, das eine weniger restriktive Haltung zu öffentlichen Ausgaben vertritt – etwa Frankreich.

Deutschland könnte dann ‌das Ressort für Marktoperationen anstreben, das derzeit noch von Direktorin Schnabel geleitet wird. Spanien könnte ​sich nach einem eventuellen Abgang des niederländischen EZB-Direktors Frank Elderson die Bankenaufsicht sichern.

Unter einem spanischen EZB-Präsidenten dürfte Deutschland den Posten des Chefvolkswirts anstreben. Mit Jürgen Stark und Otmar Issing hatte das Schwergewicht der Euro-Zone früher schon zwei Mal diesen wichtigen Posten im Direktorium ‌inne.

(Reuters)