EZB-Ratsmitglied  - «Konjunkturlage erfordert jetzt keine Quantitative Lockerung»

Die Konjunktur ist nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Klaas Knot nicht schwach genug, um eine Wiederaufnahme der Bondkäufe zu rechtfertigen. Zumindest solange keine weitere massive Konjunkturabschwächung kommt.
31.08.2019 19:18
Symbol des Euro vor dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Symbol des Euro vor dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: cash

Der Gouverneur der niederländischen Notenbank sagte zwar, dass er offen sei für eine Zinssenkung. Aber seine Äußerungen gehen in die gleiche Richtung wie Kommentare seines deutschen Amtskollegen Jens Weidmann und signalisieren, dass EZB-Präsident Mario Draghi noch zu kämpfen haben wird, wenn er auf der EZB-Sitzung am 12. September ein stärkeres geldpolitisches Stimulus-Paket durchbringen will. Am Markt haben die Erwartungen zugenommen, dass er niedrigere Zinsen liefern und die quantitative Lockerung wieder aufnehmen wird.

“Wenn Deflationsrisiken wieder auf die Tagesordnung kommen, dann ist das Aktiva-Kaufprogramm meiner Meinung nach das angemessene Instrument, das aktiviert werden sollte. Aber es besteht bei meiner Interpretation des Inflationsausblicks derzeit kein Bedarf dafür”, sagte Knot am Donnerstag in Amsterdam. “Das Aktiva-Kauf-Programm nicht zu reaktivieren bedeutet auch, dass wir einen Teil unseres Pulvers trocken halten für tatsächliche zukünftige Eventualitäten.”

Draghi hatte nach der Sitzung im Juli die Investoren auf irgendeine Form von Stimulus eingestimmt. Der EZB-Chef sagte, dass die Konjunkturaussichten immer schlechter werden und hat EZB-Mitarbeiter beauftragt, sämtliche geldpolitische Optionen zu prüfen. Er ist sich durchaus bewusst, dass ein Ausbleiben eines großen Stimulus-Pakets zu einer Verschärfung an den Finanzmärkten führen könnte - was möglicherweise den Euro und die Anleiherenditen höher treiben könnte - und die bereits ausgedehnte Abschwächung verschlimmern könnte.

Während eine weitere Zinssenkung allgemein erwartet wird, prognostizieren einige Banken, darunter Goldman Sachs, Nomura, und ABN Amro auch eine neue QE-Runde. Société Générale sagte in dieser Woche, sie gehe davon aus, dass die EZB den Einlagensatz um 20 Basispunkte auf minus 0,6% senken und Anleihekäufe von monatlich 40 Milliarden Euro ankündigen werde.

Der finnische Notenbankgouverneur Olli Rehn forderte in diesem Monat ein eindrucksvolles Paket, das die Erwartungen übertrifft.

“Die Markterwartungen sind übertrieben”, sagte Knot. “Wenn Stimuli zum Schutz der Widerstandsfähigkeit der Inlandsnachfrage geboten sind, ist eine konventionelle geldpolitische Lockerung meines Erachtens das geeignete Instrument, das erwogen werden sollte - also eine Zinssenkung.”

(Bloomberg)