Facebooks Krypotwährung - Libra Association baut Team in Genf trotz Kritik weiter auf

Ende Jahr will die Libra Association in Genf ihre Arbeit voll aufnehmen. Während Regierungen die «Facebook-Währung» kritisieren, zeigen Banken offenbar reges Interesse am Projekt.
19.09.2019 15:10
Libra ist eine von Facebook geplante private Komplementärwährung, die 2020 auf den Markt kommen soll.
Libra ist eine von Facebook geplante private Komplementärwährung, die 2020 auf den Markt kommen soll.
Bild: pixabay.com

Trotz der heftigen internationalen Kritik an Libra baut die Libra Association ihr operatives Team in Genf weiter auf. Die Vereinigung wolle Ende des Jahres operativ sein, bekräftigte der Leiter des Libra-Projekts, David Marcus, in einem Interview mit der Tageszeitung "Le Temps" vom Donnerstag.

"Wir werden die Libra Association bis Ende Jahr mit den Mitteln für eine operative Tätigkeit ausstatten", sagte Marcus. So werde ein Verwaltungsrat gewählt und ein operativer Direktor bestimmt, der die Aufgaben übernehme, die er derzeit wahrnehme. Facebook habe angekündigt, das Projekt bis Ende Jahr zu führen und dann der Libra Association zu übergeben.

Nachfrage von Banken

Marcus betonte ein weiteres Mal, dass Facebook in der Vereinigung nicht über mehr Macht oder Rechte verfügen werde als die anderen Mitglieder. "Facebook wird nicht der alleine Herr von Libra sein", betonte er und verwies auf den öffentlich einsehbaren "Open Source"-Programmiercode der zugrundeliegenden Technologie.

Neben den derzeit 28 Mitgliedern der Libra Association gebe es auch eine "enorme Nachfrage" von anderen Unternehmen, namentlich Banken, Mitglied der Vereinigung zu werden, sagte Marcus. "Trotz der Kritik arbeiten wir weiterhin hart."

Konstruktiver Dialog

Der Facebook-Manager begrüsste zudem den "sehr konstruktiven" Dialog mit der Finanzmarktaufsicht Finma. Den Prozess einer Lizenzgewährung durch die Finma sieht er auf Kurs. Sein Ziel bleibe es weiterhin, die "Facebook-Digitalwährung" Libra bis im ersten Semester 2020 zu lancieren und diese breit abzustützen, bekräftigte er.

Für die massive Kritik an Libra nicht zuletzt aus den USA und aus Frankreich zeigte Marcus Verständnis: Angesichts der 2,7 Milliarden potenziellen Nutzer der Digitalwährung seien diese sicherlich "legitim". Die Risiken würden aber strikte analysiert, gab er sich überzeugt. Zudem gehöre die Regulierung der Schweiz bezüglich Geldwäscherei zu den schärfsten der Welt.

Die Wahl der Schweiz als Sitz der Libra-Association begründete er mit der Neutralität des Landes aber auch dem "Innovationsgeist" und der "Offenheit" des Landes. Wenn die Transformation der Libra Association in eine Art von NGO glücke, so könnte diese mit der Zeit zu einem Teil des internationalen Genf werden, so Marcus.

(AWP)