Im Rennen um die Nachfolge der scheidenden EZB-Präsidentin Christine Lagarde haben die Niederlande einen Kandidaten benannt und Spanien dürfte folgen. Hier mehr zum Profil der bereits seit längerem als aussichtsreich ‌gehandelten Anwärter ⁠auf den Posten:

Klaas Knot

Der 59-Jährige leitete von 2011 bis 2025 die niederländische Zentralbank und war somit ⁠auch Mitglied des EZB-Rats. Knot gilt als pragmatischer «Falke» – also als Befürworter einer eher restriktiven Geldpolitik. Dies zeigte sich auch, als ‌die Euro-Zone von einer Reihe von Finanz- und Schuldenkrisen erschüttert wurde, die ihren ‌Fortbestand gefährdeten. Zunächst äusserte Knot Vorbehalte gegenüber dem ​vom damaligen EZB-Chef Mario Draghi ausgesprochenen Versprechen, den Euro «um jeden Preis» («whatever it takes») zu retten. Später änderte er seine Ansicht jedoch und bezeichnete den berühmten Draghi-Spruch als einen entscheidenden Wendepunkt in der Eurokrise.

In den Folgejahren geriet Knot jedoch offen mit Draghi aneinander, als die EZB umfangreiche Stimulusmassnahmen einleitete, um die Inflation anzuschieben – ‌in einem Jahrzehnt, in dem die Teuerungsrate durchgehend unter dem Zielwert der EZB von 2,0 Prozent lag.

Unter Draghis Nachfolgerin Lagarde fand Knot wieder zu einer konstruktiveren Haltung zurück, auch wenn er angesichts des grossen Inflationsschubs im ​Jahr 2022 bereits früh eine straffere Geldpolitik anmahnte. Von Ende 2021 bis Mitte ​2025 war Knot zudem Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB), eines internationalen ​Gremiums, das für die Überwachung von Finanzrisiken zuständig ist.

Pablo Hernandez de Cos

Der 55-Jährige gilt als gemässigte geldpolitische «Taube» - also als Verfechter ‌einer eher lockeren geldpolitischen Linie. Seit Juli 2025 steht er an der Spitze der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als «Bank der Zentralbanken» gilt. Die in Basel beheimatete BIZ dient als Forum für Notenbanker. Dort ist auch ​der ​Basler Ausschuss für Bankenaufsicht angesiedelt, der die internationalen Eigenkapitalregeln für ⁠Banken festlegt.

Vor seiner Tätigkeit in Basel amtierte De Cos ​von 2018 bis 2024 als Chef ⁠der spanischen Zentralbank – eine turbulente Zeit, die mit einer extrem niedrigen Inflation begann. Später folgten die Corona-Pandemie ‌und eine Phase von Zinserhöhungen, mit denen sich die EZB gegen die ausufernde Inflation stemmte. Kollegen beschreiben de Cos als pragmatischen Ökonomen. Dogmatisches Denken sei ihm fremd. Zudem gilt ‌er als ausgeprägter Teamplayer. Als sich Anfang des Jahres einige der weltweit ​führenden Zentralbanker offen hinter den damaligen Fed-Chef Jerome Powell stellten, um ihn gegen politischen Druck aus dem Weissen Haus zu verteidigen, soll de Cos eine zentrale Rolle gespielt haben.

(Reuters)