In einem Gespräch mit ‌IWF-Chefin Kristalina Georgiewa ⁠in Bangkok bekräftigte Warsh am Freitag, er nehme keine Zinsentscheidungen vorweg. Zugleich bescheinigte ⁠er der US-Wirtschaft Widerstandsfähigkeit angesichts zahlreicher Krisen in der Welt und hartnäckig hoher Inflation. Der Fed-Chef verwies auf ‌einen Investitionsschub, der weit über den Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) ‌hinausgehe. Er habe den Eindruck, dass die ​Wirtschaft an Stärke gewinne, sagte Warsh. Sie verfüge über «reichlich Rückenwind».

Warsh zufolge zeigt die Weltwirtschaft eine Resilienz, die angesichts der Krisenherde weltweit vor einigen Monaten wohl kaum jemand so für möglich gehalten hätte: «Ich bin optimistisch – manche würden vielleicht sagen: naiv –, dass wir ‌zumindest in den Vereinigten Staaten gestärkt aus dieser Phase hervorgehen werden.» Die USA würden so besser in der Lage sein, weltweit beim Wirtschaftswachstum eine Führungsrolle einzunehmen.

Im jüngst veröffentlichten Konjunkturbericht «Beige ​Book» der Federal Reserve heisst es, die Unternehmen behielten für die kommenden ​Monate weiterhin einen positiven Wirtschaftsausblick bei. Die Erwartungen ​deuteten jedoch eher auf ein leichtes Wachstum hin, das durch anhaltende Unsicherheiten belastet werde.

Inflation macht Fed zu schaffen

Während ‌sich der US-Zentralbankchef länglich zu den Konjunkturaussichten äusserte, zeigte er sich mit Blick auf den Zinsausblick zugeknöpft: «Ich halte nichts davon, jetzt schon zu sagen, was ich auf den verbleibenden ​Sitzungen ​in diesem Jahr tun könnte», erklärte er. ⁠An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Fed auf ​ihrer nächsten Sitzung Ende ⁠Oktober die Zinsen unverändert lässt und im Dezember die geldpolitischen Zügel anziehen wird.

Im ‌September hatte die Zentralbank die Zinsen erstmals seit rund drei Jahren angehoben. Damit habe die Fed deutlich gemacht, dass sie für Preisstabilität sorgen werde, sagte ‌Warsh. Die Inflation hat sich im September mit 3,7 ​Prozent jedoch noch weiter vom Ziel der Fed von 2,0 Prozent entfernt.

(Reuters)