Die ‌US-Notenbank hält ⁠den Leitzins kurz vor den Zwischenwahlen konstant. Der geldpolitische Schlüsselsatz bleibt in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, ⁠wie die Währungshüter um Fed-Chef Kevin Warsh am Mittwoch bekannt gaben. Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig: Die Währungshüterinnen Lisa Cook und ‌Beth Hammack votierten für eine Anhebung. Die Notenbank räumte ein, dass die Inflation «weiterhin erhöht» ‌sei. Sie versicherte zugleich, für Preisstabilität zu sorgen. «Die Fed ​wird diesen falkenhaften Worten Taten folgen lassen. Eine Zinsanhebung im Dezember ist nahezu in Stein gemeisselt», meint VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel.

Er verweist auch darauf, dass die Notenbank der amerikanischen Wirtschaft ein sehr gutes Zeugnis ausstellt: «Das Produktivitätswachstum ist stark, und die Investitionstätigkeit ist robust», heisst es im Begleittext zum Zinsentscheid. Die Zentralbank hatte den geldpolitischen Schlüsselsatz im September erstmals seit rund drei ‌Jahren angehoben, um die hartnäckige Inflation in Schach zu halten. Mit der Zinspause nur wenige Tage vor den am 3. November anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress dürfte die Notenbank auch Kritik aus dem Weissen Haus aus dem Wege gehen. US-Präsident ​Donald Trump hatte der Fed unter Warshs Vorgänger Jerome Powell immer wieder vorgeworfen, mit ihrer ​vermeintlich zu straffen Geldpolitik die Wirtschaft zu bremsen.

Lena Dräger, Forschungsdirektorin beim Kiel Institut für Weltwirtschaft, hält die aktuelle Pause der Fed für richtig: «Ein weiterer Zinsschritt schon jetzt wäre verfrüht.» ‌Die US-Inflation sei zwar mit 3,4 Prozent zu hoch, aber sie komme vor allem von der Tankstelle. Die Expertin verweist darauf, dass Benzin 34 Prozent mehr koste als vor einem Jahr: «Dagegen helfen höhere Zinsen wenig. Eine Lohn-Preis-Spirale droht nicht, ​denn die ​Löhne steigen mit drei Prozent langsamer als die Preise.»

Die ⁠US-Notenbank verfehlt ihr Inflationsziel bereits seit fünfeinhalb Jahren – eine Tatsache, die ​bei einigen Währungshütern die Sorge aufkommen ⁠lässt, dass sich Unternehmen und Haushalte an einen stärkeren Preisanstieg gewöhnen und ihr Verhalten entsprechend ausrichten könnten. Dies würde ‌es wiederum erschweren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen.

Die hohen Lebenshaltungskosten sind auch eines der beherrschenden Themen im US-Wahlkampf. Trump war im Januar 2025 mit dem Versprechen ins Weisse Haus zurückgekehrt, die ‌Inflation zu senken. Bei den Kongresswahlen wollen seine Republikaner knappe Mehrheiten in beiden Kammern ​verteidigen. Ein Verlust der Kontrolle über den Senat oder das Repräsentantenhaus könnte Trumps politische Vorhaben in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit erschweren. «Eine Zinsanhebung hätte als Signal gegen den US-Präsidenten verstanden werden können», meint der VP-Bank-Chefökonom.

(Reuters)