Die Währungshüter hätten Zeit, die wirtschaftlichen Daten abzuwägen, bevor sie über den nächsten Schritt entschieden, sagte Williams am Dienstag in einer Rede an der Universität in Buffalo. «Mit den geldpolitischen Massnahmen, die wir auf unserer September-Sitzung ergriffen haben, besteht keine Notwendigkeit zur Eile.» Dennoch sei eine weitere Anhebung vor Jahresende wahrscheinlich angemessen, um die Inflation wieder in Richtung des Ziels von zwei Prozent zu drücken.
An den Finanzmärkten sanken daraufhin am Dienstag die Erwartungen an eine Zinserhöhung auf der kommenden Fed-Sitzung Ende Oktober von fast 70 auf nur noch rund 50 Prozent.
Die Notenbank hatte ihren Leitzins im September um einen Viertelprozentpunkt auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Damit kämpft die Fed gegen eine Teuerungsrate, die seit mehr als einem halben Jahrzehnt über dem Zielwert liegt. Der Preisdruck hatte sich in diesem Jahr durch die Zölle von US-Präsident Donald Trump sowie stark gestiegene Energiepreise infolge des von den USA und Israel begonnenen Krieges gegen den Iran weiter verschärft.
Williams zufolge treiben zudem Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) die Preise nach oben. Es sei zwingend erforderlich, die Inflation nachhaltig auf zwei Prozent zurückzuführen, sagte der Notenbanker. Die Währungshüter befürchten zunehmend, dass sich die Verbraucher an die anhaltend hohe Teuerung gewöhnen könnten.
Für das laufende Jahr rechnet Williams mit einem Wirtschaftswachstum von 2,25 Prozent und einer Inflationsrate von rund 3,5 Prozent. Erst im Jahr 2028 dürfte die Teuerung wieder den Zielwert der Fed erreichen. Der Preisdruck durch Zölle und Energiepreise werde jedoch voraussichtlich nachlassen, sofern sich der Konflikt im Nahen Osten nicht drastisch verschärfe und keine neuen Importsteuern erhoben würden, erklärte er. Die Arbeitslosenquote sieht Williams im kommenden Jahr bei vier Prozent.
Zu den jüngst gestiegenen Renditen langfristiger US-Staatsanleihen sagte er vor Journalisten, diese spiegelten nicht zwingend die Erwartung einer höheren Inflation wider, sorgten jedoch für straffere Finanzierungsbedingungen.
(Reuters)

