Daher waren mehrere Währungshüter bereit für eine Anhebung der Zinsen, wie ‌aus ⁠dem am Mittwoch vorgelegten Protokoll des Treffens hervorgeht. US-Präsident Donald Trump sagte indes nach deren ⁠Veröffentlichung, er würde gern eine Zinssenkung sehen. Ähnlich äussert er sich seit Monaten und hatte damit den vorherigen Fed-Chef ‌Jerome Powell unter Druck gesetzt. Inzwischen wird die Fed von ‌Kevin Warsh geführt, der von Trump nominiert wurde. ​Niedrigere Zinsen würden unter anderem dafür sorgen, dass die USA weniger Kreditkosten für ihre sehr hohe Staatsverschuldung hätten.

Dem Protokoll zufolge sagten viele der Notenbanker bei der Juli-Sitzung, eine Anhebung der Kreditkosten werde notwendig, falls die Inflation nicht auf das Ziel der US-Notenbank von zwei Prozent sinke. ‌Auf der Sitzung am 28. und 29. Juli hatte die Fed den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder stimmten jedoch für eine Anhebung ​um einen Viertel-Prozentpunkt.

Die Befürworter einer Erhöhung sagten demnach, dass ​der Preisdruck breit angelegt erscheine. Daher müsse der für ​die Geldpolitik zuständige Ausschuss eine restriktivere Haltung einnehmen. Sonst bestehe die Gefahr «einer steileren und potenziell kostspieligeren Abfolge von Straffungsmassnahmen zu ‌einem späteren Zeitpunkt».

Trump hingegen sagte am Mittwoch vor Reportern im Weissen Haus, die Zinsen «sollten angesichts des Erfolgs unseres Landes sinken dürfen und nicht wegen dieses Erfolgs steigen». Auf welche Erfolge sich Trump ​bezog, ​blieb offen. Laut Experten ist die relativ hohe ⁠Inflation, die einer Zinssenkung entgegensteht, unter anderem auf den ​von Trump und Israel ⁠begonnenen Krieg gegen den Iran zurückzuführen. Fast sechs Monate nach Beginn des Konflikts sind die Öl- ‌und Gaslieferungen durch die strategisch wichtige Strasse von Hormus weiter eingeschränkt, was die Weltmarktpreise weiter hoch hält.

Die geldpolitische Debatte in den USA hat sich im ‌Laufe des Jahres deutlich verschoben. Zu Jahresbeginn war noch erwartet worden, dass ​die Fed die Zinsen bei nachlassender Inflation senkt. Der Preisdruck hat sich jedoch weiter erhöht. Anleger rechnen nun für die Sitzung Ende Oktober mit einer Zinserhöhung.

(Reuters)