Die Währungshüter werden den Leitzins nach Ansicht vieler Experten am Mittwoch in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Auf dieses Niveau hatten sie ihn im September angehoben, um der hartnäckigen Inflation Paroli zu bieten. Laut Alexander Raviol, Partner beim Vermögensverwalter Lupus alpha, dürfte die Fed zwar diesmal innehalten: «Es ist allerdings eine Pause mit erhobenem Zeigefinger und vorerst kein Ende des Zinserhöhungszyklus.» An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Fed bereits im Dezember nachlegt und sich damit weiter gegen den Preisauftrieb stemmt.
Fed-Chef Kevin Warsh bleibt eisern bei seiner Linie, nichts über den künftigen Zinskurs preiszugeben. In einem Gespräch mit IWF-Chefin Kristalina Georgiewa in Bangkok bekräftigte er unlängst, dass er keine geldpolitischen Entscheidungen vorwegnehme. Zugleich bescheinigte er der US-Wirtschaft Widerstandsfähigkeit angesichts zahlreicher Krisen in der Welt und hartnäckig hoher Inflation. Die infolge des Iran-Krieges stark gestiegenen Energiepreise haben die Teuerungsrate in den USA im September auf 3,7 Prozent getrieben, womit diese mittlerweile sehr weit über das Ziel der Fed von 2,0 Prozent hinausgeschossen ist.
US-Notenbankdirektor Christopher Waller signalisierte zwar, dass es Bedarf für weitere Zinserhöhungen gebe. Er betonte jedoch, es gebe «Flexibilität» hinsichtlich des Tempos der Anhebungen, und liess die Möglichkeit einer Zinspause offen. Erhöhungen müssten nicht zwingend bei aufeinanderfolgenden Sitzungen erfolgen, sollten aber innerhalb «eines angemessenen Zeitraums» umgesetzt werden.
Wie aus den Protokollen der Notenbank-Zinssitzung vom September hervorgeht, herrscht intern Uneinigkeit über den weiteren Kurs: Für die einen hat die Erhöhung vorwiegend vorsorglichen Charakter. Das andere Lager in der Fed sieht darin einen Kurswechsel hin zu einer deutlich restriktiveren - sprich strafferen - Geldpolitik, die darauf abzielt, die Wirtschaft zu bremsen.
Ökonomen: Fed tagt in sensibler Phase vor Zwischenwahlen
Für eine Verschnaufpause am Mittwoch sprechen laut den Commerzbank-Volkswirten Bernd Weidensteiner und Marco Wagner auch andere Gründe. Denn die Fed-Sitzung findet nur wenige Tage vor den am 3. November anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress statt. «Ein Zinsschritt in dieser sensiblen Phase würde die Fed dem Vorwurf der politischen Einflussnahme aussetzen und zu heftiger Kritik aus dem Weissen Haus führen», so die Experten. US-Präsident Donald Trump hatte der Notenbank unter Warshs Vorgänger Jerome Powell immer wieder vorgeworfen, mit ihrer vermeintlich zu straffen Geldpolitik die Wirtschaft zu bremsen. Er dringt trotz der stark steigenden Verbraucherpreise auf kräftige Zinssenkungen.
Trump war im Januar 2025 mit dem Versprechen ins Weisse Haus zurückgekehrt, die Inflation einzudämmen. Bei den Kongresswahlen wollen seine Republikaner knappe Mehrheiten in beiden Kammern verteidigen. Ein Verlust der Kontrolle über den Senat oder das Repräsentantenhaus könnte Trumps politische Vorhaben in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit erschweren. «Sollten die Republikaner die Mehrheit im Senat verlieren, wäre es Trump auch nicht möglich, kontroverse eigene Kandidaten für etwaige freie Posten im Fed-Board durch den Bestätigungsprozess zu bringen», so die Commerzbank-Ökonomen. Damit dürfte der Einfluss Trumps auf die Fed mittelfristig abnehmen: «Die Fed wird hoffen, dass sie dadurch wieder aus der politischen Schusslinie gerät.»
(Reuters)

