Wenige Tage nach der Europäischen Zentralbank (EZB) wird die Federal Reserve den Leitzins am nächsten Mittwoch voraussichtlich ebenfalls um einen Viertelprozentpunkt anheben. Anleger sehen die Wahrscheinlichkeit bei rund 70 Prozent.

Sprunghafte Anstiege ‌beim Ölpreis ⁠und den Anleiherenditen und eine zunehmend restriktive Geldpolitik haben die Stimmung an den Aktienmärkten getrübt: Der Swiss Market Index hat in der laufenden Woche 3,8 Prozent nachgegeben, wobei der Wochenverlust von Novartis (-13 Prozent) dabei eine grosse Rolle spielt. Aber auch der Dow Jones hat mit 1,9 Prozent deutlich nachgegeben.

«Der saisonal häufig schwierige ⁠September wird seinem schlechten Ruf damit bislang gerecht», sagen die Analysten der LBBW. Seit Monatsbeginn ging es zum Beispiel für den deutschen Leitindex Dax rund 3,4 Prozent abwärts.

Ein wichtiger Faktor für den zunehmenden Preisdruck ist der Anstieg des Ölpreises. ‌Wegen der erneuten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran übersprang der Preis für die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee ‌am Mittwoch wieder die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Darüber hinaus gewinnt ​der US-Arbeitsmarkt an Schwung.

«Eine anziehende Inflation rechtfertigt zwar eine straffere Geldpolitik», sagt Analyst Lloyd Chan von der Bank Mitsubishi UFJ. «Weitere Zinserhöhungen würden aber auch die Kreditkosten der Regierung in einer Zeit in die Höhe treiben, in der Haushaltsdefizite und die Belastung durch den Schuldendienst ohnehin bereits unter genauer Beobachtung stehen.» US-Präsident Donald Trump dringt daher auf Zinssenkungen durch die Fed. Die FOMC-Erklärung und die Pressekonferenz mit Fed-Chef Kevin Warsh werden die Erwartungen für den Rest des Jahres prägen.

Die EZB hatte am Donnerstag zum zweiten Mal in diesem Jahr die ‌Zinsen angehoben und könnte Insidern zufolge schon bald nachlegen. Mehrere Personen aus dem Führungskreis der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnen in den kommenden Monaten mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik, um die vom Iran-Konflikt getriebene Teuerung im Euro-Raum einzudämmen. Ein weiterer Schritt nach oben könnte bereits auf der Notenbank-Sitzung Ende nächsten Monats folgen, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Helvetia Baloise bringt am Donnerstag die Halbjahreszahlen

Am Donnerstag berät auch die Bank von England (BoE) über ihre Geldpolitik. Hier erwarten Experten keine Veränderungen. Die britische Notenbank hatte bei ​ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins ebenfalls nicht angetastet. Damals hatten drei Mitglieder jedoch für eine Erhöhung gestimmt.

Die Bank ​von Japan (BoJ) wird ihren Schlüsselsatz am Freitag wegen der anziehenden Inflation voraussichtlich um einen Viertel Prozentpunkt anheben. Mit einem Prozent liegt der japanische Leitzins bereits auf dem höchsten Stand seit 31 Jahren. «Sollte es nicht zu einer Zinserhöhung ‌kommen und starke Signale für ein forciertes Tempo bei der Straffung der Geldpolitik ausbleiben, muss mit einer deutlichen Abwertung des Yen gerechnet werden», warnt Analystin Carol Kong von der Commonwealth Bank of Australia. Sie rechnet fest mit einer Zinserhöhung in der neuen Woche und zwei weiteren Schritten im Dezember und April.

Zu den wichtigsten US-Daten in der neuen Woche gehören die Einzelhandelsumsätze für August am Mittwoch und die Industrieproduktion am Freitag. ​China veröffentlicht am Dienstag die Daten zur Industrieproduktion, zum ⁠Einzelhandelsumsatz, zu den städtischen Investitionen, zur Arbeitslosenquote und zu den Immobilienpreisen für August.

Von den grösseren Schweizer Unternehmen veröffentlicht Helvetia Baloise am Donnerstag die Halbjahreszahlen. Huber+Suhner hält am reitag einen Kapitalmarkttag ab.

(Reuters/cash)