Festnetz/BreitbandPlant Swisscom-Rivale Salt eine aggressive Preisoffensive?

Die Deutsche Bank berichtet von Anhaltspunkten für eine aggressive Preispolitik im Festnetz-, sprich Breitbandbereich. Was aus Konsumentensicht zu begrüssen wäre, könnte für Swisscom und Sunrise Folgen haben.
14.09.2017 08:20
Von Lorenz Burkhalter
Werbekampagne für den neuen Markenauftritt von Salt im April 2015.
Werbekampagne für den neuen Markenauftritt von Salt im April 2015.
Bild: cash

Der Telekommunikationsmarkt Schweiz zählt zu den lukrativsten der Welt. Nicht ohne Grund: Nirgendwo sonst müssen die Abonnenten so tief in die Tasche greifen wie bei uns. Zwar ist der Wettbewerb unter den drei führenden Anbietern Swisscom, Sunrise und Salt in den letzten Jahren intensiver geworden. So richtig ins Rutschen gerieten die Tarifansätze bisweilen allerdings nicht.

Das könnte sich mit dem geplanten Eintritt von Salt in den Festnetzbereich (und damit in den Breitbandbereich) schon bald ändern. Diese Meinung vertritt auch die Autorin einer Studie der Deutschen Bank zum Schweizer Telekommunikationsmarkt. Die Analystin rechnet nicht nur mit einem baldigen, sondern auch mit einer ziemlich aggressiven Offensive durch die heutige Nummer drei im Schweizer Mobilfunkmarkt.

Dabei stützt sie sich auf die Aussagen der Salt-Verantwortlichen anlässlich einer Telefonkonferenz ab. Zu erwarten sei demnach ein Festnetzangebot, welches es mit jenen von Swisscom und Sunrise aufnehmen könne und dies erst noch zu einem deutlich günstigeren Preis, so die Studienautorin.

Swisscom unangefochtene Marktführerin

Ist dieser Schritt einmal vollzogen, kann auch Salt endlich Paketangebote (Mobilfunk, Festnetz, Fernsehen), sogenannte "Bundles", anbieten und mit den beiden Rivalen gleichziehen.

Die Swisscom-Aktie (rot) im Vergleich mit der Sunrise-Aktie (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Experten zufolge drohen ab dann insbesondere Swisscom Marktanteilsverluste. Wie Erhebungen der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) entnommen werden kann, befindet sich ziemlich genau ein Drittel des Breitbandmarketes in den Händen von Kabelanbietern wie UPC, der ehemaligen Cablecom. Im Rahmen der verbleibenden zwei Drittel ist der Marktanteil der Swisscom alleine im vergangenen Jahr von 79,3 auf 75,1 Prozent gefallen. Mit einem Marktanteil von 14 Prozent ist Sunrise als nächstgrösserer Anbieter eine vergleichsweise kleine Nummer. Die restlichen 10,9 Prozent entfallen auf kleinere Anbieter.

Salt und seinem Hauptaktionär, dem französischen Milliardär Xavier Niel, dürfte bewusst sein, dass sich der Schweizer Breitbandmarkt nur mit einer aggressiven Preispolitik von hinten aufrollen lässt. Nach einem überraschend starken Umsatzrückgang in der ersten Jahreshälfte ist der Erfolgsdruck gross.

Gehören die goldenen Zeiten der Vergangenheit an?

Was aus Konsumentensicht begrüssenswert wäre, könnte für die Aktionäre von Swisscom und Sunrise Folgen haben. Denn beide Telekommunikationsunternehmen sind für ihre grosszügige Dividendenpolitik bekannt. Die Swisscom-Aktie weist aktuell eine Rendite von 4,6 Prozent auf, jene von Sunrise immerhin eine Rendite von 4,2 Prozent. Nach dem Verkauf von Sendemasten signalisiert Sunrise für den kommenden April eine kräftige Dividendenerhöhung auf 3,90 bis 4,10 Franken je Aktie. Das entspräche im besten Fall gar einer Rendite von 5,1 Prozent.

Und auch wenn bisweilen kaum ein Analyst mit Dividendenkürzungen rechnet, ist man sich in Expertenkreisen weitestgehend einig: Die goldenen Zeiten gehören im Schweizer Telekommunikationsmarkt wohl endgültig der Vergangenheit an.