Finanzindustrie - Julius Bär: Zins-Delle überschattet Handelsboom

Das florierende Handelsgeschäft hat der Bank Julius Bär im ersten Halbjahr Schub verliehen. Eine Tageszusammenfassung.
20.07.2020 16:30
Julius-Bär-CEO Philipp Rickenbacher in einem Videointerview.
Julius-Bär-CEO Philipp Rickenbacher in einem Videointerview.
Bild: Still AWP-Video

Der Schweizer Vermögensverwalter steigerte den Gewinn um 43 Prozent auf den Rekordwert von 491 Millionen Franken, wie Bär am Montag mitteile. Allerdings dämpfte Bank-Chef Philipp Rickenbacher die Erwartungen, wonach sich diese Entwicklung im zweiten Halbjahr so fortsetzt. "Die vollen wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 liegen noch vor uns", erklärte Rickenbacher. "Wir sind aber zuversichtlich, auf eine herausfordernde zweite Jahreshälfte gut vorbereitet zu sein."

Netto Neugeld von 5 Milliarden

Die verwalteten Vermögen hätten sich wegen der Kursverluste an den Finanzmärkten seit Jahresende um sechs Prozent auf 402 Milliarden Franken verringert. Dabei habe Bär Neugeld von netto fünf Milliarden Franken eingesammelt. Besonders stark habe sich das Geschäft mit Kunden aus Deutschland sowie Hongkong und Japan entwickelt. Die Neugeld-Wachstumsrate von 2,3 Prozent lag unter den Vorjahreswerten.

Das Wachstumsziel von jährlich vier bis sechs Prozent hatte der seit September amtierende Rickenbacher im Februar aufgegeben. Stattdessen will der frühere McKinsey-Berater alles der Gewinnsteigerung unterordnen. Hier machte die Bank im ersten Halbjahr einen Schritt vorwärts. Denn die starken Ausschläge an den Finanzmärkten als Folge der Coronavirus-Krise kurbelten die Volumen im Devisen-, Derivate- und Edelmetallhandel an und verhalfen dem Institut zu höheren Gebühreneinnahmen.

Einnahmen aus Zinsen sinken

Dagegen sackten die Einnahmen aus dem Zinsgeschäft um fast ein Fünftel ab. Bär machte dafür die niedrigeren US-Zinsen sowie einen Rückgang der für die Institute einträglichen Kundenausleihungen verantwortlich. Mit der Erholung der Finanzmärkte hätten die Kunden ab Mai aber wieder begonnen, Wertpapierkäufe mit Krediten zu finanzieren. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, dürfte dies der Bank wieder höhere Zinseinnahmen bescheren. Zudem dürfte der von Rickenbacher eingeleitete Abbau von 300 Stellen die Kosten im zweiten Halbjahr drücken. Bär bekräftige auch die Ziele für 2022.

"Mehr Quantität als Qualität"

Die Aktie gab dennoch drei Prozent nach. "Die Handelsabhängigkeit des Ertragssprungs ist sicher ein Wermutstropfen," erklärte ZKB-Analyst Michael Kunz. Auch Citibank warnte, dass die Transaktionserträge nicht extrapoliert werden dürften. "Mehr Quantität als Qualität", hiess es zu den im Halbjahr leicht über den Erwartungen liegenden Erträgen. Die mittelfristigen Ziele seien zudem zu ehrgeizig. Bei der UBS, die am Dienstag als erste europäische Großbank ihr Quartalsergebnis vorlegt, erwarten Analysten unter anderem wegen höherer Kreditrückstellungen einen Gewinnrückgang.

(Reuters)

 
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