Findet das britische Pfund endlich Boden?

Geht es nach den Strategen der Credit Suisse, sollte das britische Pfund die Talsohle bald erreicht haben. Die Experten machen mittlerweile Anhaltspunkte für eine Übertreibung aus.
12.10.2016 08:16
Von Lorenz Burkhalter
Das britische Pfund ist in diesen Tagen in aller Munde.
Das britische Pfund ist in diesen Tagen in aller Munde.
Bild: Pixabay

Am vergangenen Freitag tauchte das britische Pfund im asiatischen Handel gegenüber den gängigsten Währungen innerhalb weniger Minuten um mehrere Prozent. Seither überschlagen sich die Medienberichte.

Im Zuge des sich abzeichnenden Austritts aus der Europäischen Union (EU) ist das Pfund in den letzten Tagen noch einmal unter Druck geraten. Mit 1,16 Franken kostete es zeitweise so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Alleine seit Jahresbeginn errechnet sich ein sattes Minus von knapp 18 Prozent.

Geht es nach den Strategen der Credit Suisse, sollte die britische Währung die Talsohle zumindest zum Euro schon bald erreicht haben. Ähnliches ist zum Franken zu erwarten - dafür sorgt unsere Schweizerische Nationalbank (SNB).

Wie die Experten schreiben, büsste das Pfund in früheren Schwächephasen durchschnittlich 27 Prozent ein. Der extremste Rückschlag seit dem Jahr 1949 liegt mit 31 Prozent nur geringfügig über diesem Durchschnittswert. Gegenüber dem Euro hat die britische Währung der Credit Suisse zufolge mittlerweile 26 Prozent verloren.

Anhaltspunkte für eine Übertreibung

Auf Basis der bankeigenen Berechnungen halten die Strategen das Pfund, an der sogenannten Kaufkraftparität gemessen, für um nicht weniger als 14 Prozent unterbewertet. Eine solche Abweichung sei seit 30 Jahren nicht mehr zu messen gewesen, so lassen sie durchblicken. Die Kaufkraftparität vergleicht die Lebenshaltungskosten zweier Länder oder Wirtschaftsräume anhand eines Index.

Entwicklung des britischen Pfunds zum Franken in den letzten Tagen, Quelle: www.cash.ch

Doch auch was die Zinsdifferenz zwischen Grossbritannien und anderen Ländern und die spekulativen Devisenpositionen gegen das Pfund anbetrifft, machen die Experten Anhaltspunkte für eine Übertreibung aus. Die Finanzmärkte würden mittlerweile von einer harten Gangart beim Austritt Grossbritanniens aus der EU ausgehen, so heisst es bei der Credit Suisse.

Tiefststände zum Franken nur knapp verfehlt

Die kleinere der beiden Schweizer Grossbanken sieht das Pfund bis in 12 Monaten von derzeit 1,1120 auf 1,16 Euro steigen. Gingen die Strategen bislang von einem Rückschlag auf 1,10 Euro aus, so sehen sie die britische Währung vorübergehend noch bis auf 1,05 Euro tauchen.

Zum Franken entspricht das rein rechnerisch einem Pfund-Kurs von 1,1465 Franken. Das wiederum liegt leicht unter den in den letzten Tagen erlittenen Mehrjahrestiefstständen bei 1,16 Franken wie auch unter dem bisherigen Rekordtief von 1,15 Franken vom August 2011.