Fluggesellschaften - Zwischen asiatischen Staaten und EU droht Streit um Landerechte für Airlines

Zwischen asiatischen Staaten und der Europäischen Union (EU) bahn sich ein Streit über Start- und Landerechte von Airlines an, der die Branche massiv belasten könnte.
17.09.2021 16:30
Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns - Swiss, Lufthansa und Austrian - am Flughafen Wien-Schwechat, aufgenommen kurz vor dem Coronavirus-Lockdown im März.
Flugzeuge des Lufthansa-Konzerns - Swiss, Lufthansa und Austrian - am Flughafen Wien-Schwechat, aufgenommen kurz vor dem Coronavirus-Lockdown im März.
Bild: imago images / Alex Halada

Regulierungsbehörden wichtiger Drehkreuze wie Singapur und Hongkong drohen im Konflikt um die sogenannten Slots mit Vergeltungsmassnahmen gegen Pläne der EU. Diese hatte im Juli angekündigt, Fluglinien müssten im Zuge der Erholung von der Corona-Krise wieder 50 Prozent ihrer Start- und Landerechte nutzen oder würden diese an die Konkurrenz verlieren.

"Ist es ein Handelskrieg? Mit Sicherheit der Keim von einem", sagte der australische Luftfahrtexperte Peter Harbison. Die Lage werde sich verschärfen, wenn mehr Airlines zusammenbrächen und die internationalen Märkte geschlossen blieben.

In der Regel müssen Fluggesellschaften 80 Prozent ihrer Slots nutzen, um sie nicht zu verlieren. Wegen des Einbruchs beim Flugbetrieb in der Virus-Pandemie wurde diese Vorgabe ausgesetzt. Die Entscheidung der EU hier nun auf 50 Prozent zu gehen, spiegelt die Erholung auf den zumeist Kurzstreckenflügen Europas wieder.

Asiatische Fluggesellschaften protestieren

Asiatische Airlines hingegen protestieren und argumentieren, dass sie unfair bestraft werden. Denn ihre Langstreckennetze bräuchten viel länger, um sich zu erholen.

In Asien, wo lange Quarantänen nach wie vor üblich sind für Reisende, flogen Airlines im Juli nur 14 Prozent ihrer internationalen Kapazität von 2019, wie aus Zahlen des Branchenverbands IATA hervorgeht. Demnach waren es in Europa mit 46 Prozent und in Nordamerika mit 48 Prozent deutlich mehr.

Einige asiatische Regulierungsbehörden haben laut Branchenkreisen europäische Fluggesellschaften bereits darauf hingewiesen, dass sie ebenfalls mindestens 50 Prozent ihrer Slot nutzen müssen. Singapur sorge hier für eine faire Behandlung, sagte Daniel Ng, zuständiger Direktor für Luftverkehr bei der Zivilluftfahrtbehörde.

Lufthansa - EU Regeln könnten Klima und Airlines schaden

Die für die Slotvergabe in Deutschland zuständige Fluko ist darüber informiert worden, dass einige asiatische Länder europäischen Airlines mitteilten, dass sie 50 Prozent der Slots nutzen müssten. Andernfalls riskierten sie, ihre Start- und Landerechte als Vergeltung für die EU-Vorschriften zu verlieren, sagte Fluko-Geschäftsführer Rene Maysokolua.

Singapur, Hongkong und Südkorea gehören Branchenexperten zufolge zu denjenigen, die eine härtere Haltung gegenüber europäischen Airlines einnehmen. Die Behörden in Singapur und Hongkong bestätigten, dass es sogenannte Gegenseitigkeitsbestimmungen gebe, äusserten sich aber nicht im Detail.

Südkoreanische Behörden reagierten zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme, aber Korean Air - ein Mitglied der Slot-Arbeitsgruppe des Landes - bestätigte die Bestimmungen. Lufthansa - als EU-Airline mit den meisten Asien-Flügen - geht davon aus, dass die strengen EU-Regeln letztendlich dem Klima sowie den Fluggesellschaften schaden könnten.

Wenn diese nämlich gezwungen wären, leere Flugzeuge zu fliegen, um Slots zu behalten. Air France und KLM erklärten, ihre Flugentscheidung basierte nicht auf Flughafen-Slots. Taiwans China Airlines und Korean Air Lines äusserten sich gegenüber Reuters besorgt über die EU-Vorschriften, während Singapore Airlines eine Stellungnahme ablehnte. 

(Reuters)