Fragile Vekselberg-Titel bei neuen Sanktionen

Die Schweizer Industrie und Banken leiden derzeit unter der Unsicherheit wegen der Ukraine-Krise. Aktien wie Sulzer oder Oerlikon haben deutlich korrigiert. Eine Verschärfung von Sanktionen könnte das akzentuieren.
12.08.2014 12:54
Von Marc Forster
Die vom Ukraine-Konflikt ausgelöste Unsicherheit ist das grösste Risiko für Viktor Vekselbergs Investitionen.
Die vom Ukraine-Konflikt ausgelöste Unsicherheit ist das grösste Risiko für Viktor Vekselbergs Investitionen.
Bild: iNg

Die Aktien von Sulzer, OC Oerlikon oder auch Schmolz + Bickenbach haben in den letzten Woche und Monaten rund 20 Prozent verloren. Die ABB-Aktie hat seit Jahresbeginn 14 Prozent abgeben. Alle diese Unternehmen haben Geschäfte in Russland, oder sie sind vom russischen Grossaktionär Viktor Vekselberg dominiert.

Bei den Umsätzen gegen die Analysten vorerst Entwarnung. Der Umsatzanteil der grossen und grösseren Schweizer Industriefirmen in Russland liegt im sehr tiefen oder tiefen einstelligen Prozentbereich. Aber Krise bleibt Krise: "Konflikte und makroökonomische Negativmeldungen helfen auch den Industriewerten nicht“, sagt Julius-Bär-Analystin Britta Simon. Das Problem ist dabei, wie bei vielen Titeln, die relativ hohe Bewertung im langfristigen Durchschnitt: "Das Gewinnwachstum müsste sich verstärken", sagt Simon. In einem unsicheren Umfeld leichter gesagt als getan.

Sulzers Pumpen

Bei Sulzer ist etwas schwer durchschaubar ist der Einfluss des dominierenden russischen Grossaktionärs Viktor Vekselberg in Bezug auf künftige Projekte in Russland. Der Technologiekonzern betont immer wieder, in diesen Belangen unabhängig vom wichtigsten Anteilseigner zu sein. Gemäss Sven Bucher von der ZKB könnte bei Sulzer insbesondere das Pumpengeschäft von Sanktionen gegen den russischen Erdöl- oder allenfalls sogar Gassektor betroffen sein.

Beim zweiten grossen von Vekselberg kontrollierten Konzern, OC Oerlikon, macht der Russland-Absatz weniger als ein Prozent des Umsatzes aus. Das Industriekonglomerat muss aber damit rechnen, dass Sanktionen Märkte treffen, in denen der Konzern als Zulieferer tätig ist, beispielsweise Deutschland.

Diese Rückkoppelungseffekte sollte man laut den Analysten nicht unterschätzen. Zumal eine Eskalation der Lage zu neuen und schwereren Sanktionen führen kann. Genauso treffen die Sanktionen in Russland eine sowieso schon fragile Wirtschaft, was wiederum für die Banken zu einem Problem werden könnte.

Frage nach Eskalation

Die UBS gibt ihr Kreditexposure in Russland im Geschäftsbericht 2013 mit gut einer halben Milliarde Franken an. Von der CS gibt es keine Zahlen. Materiell dürften die beiden Banken in jedem Falle nicht betroffen sein: Laut Vontobel-Analyst Andreas Venditti spielt angesichts der Gesamtlage aber auch hier die Frage eine Rolle, wie sehr der Ukraine-Konflikt noch eskaliert.

Kaum direkte Auswirkungen erwarten die Experten auf die Schweizer Versorger, anders als etwa bei ausländischen Konzernen. Weit hergeholt sind auch Befürchtungen, dass Unternehmen wie OC Oerlikon, die Immobilienfirma Züblin, Sulzer oder der Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach wegen ihrer Eigentümerstruktur unter die Räder kommen könnten.

Finanicer Viktor Vekselberg hält die Aktienpakete an diesen Firmen über seine in der Schweiz domizilierte Beteiligungsgesellschaft Renova. Inwiefern Vekselberg als Person Probleme bekommen könnte, liegt sehr im Reich der Spekulationen.