Franken-Hoch nimmt kein Ende - weltweit

Der SNB-Schock vom 15. Januar hat den Franken zu allen Hauptwährungen stärker gemacht. Das wird sich in nächster Zeit kaum ändern. Nur zwei Länder haben gegen die Schweizer Währung Aufwertungspotenzial.
04.05.2015 01:00
Von Marc Forster
Der Franken war Anfang Jahr gegenüber wichtigen Währungen schwächer als jetzt.
Der Franken war Anfang Jahr gegenüber wichtigen Währungen schwächer als jetzt.
Bild: scx

Im Gegensatz zum Euro ist der Dollar eine erstarkende Währung. Derzeit kostet ein Dollar knapp 0,93 Rappen. Der Blick auf die "Year-to-Date"-Performance zeigt aber, dass das Dollar-Franken-Paar den Stand von Anfang Jahr noch nicht erreicht hat. Zum Euro hat der Franken seit Jahresbeginn um etwa 13 Prozent aufgewertet, zum "Greenback" aktuell 5,45 Prozent.

Der Dollar hat wie der Euro grossen Einfluss auf die Wirtschaft, denn ein wichtiger Teil des Schweizer Aussenhandels läuft in der US-Währung. Zudem haben eine Reihe von Ländern und Gebieten – etwa viele Länder Asiens - ihre Währung direkt oder indirekt an den Dollar gekoppelt. Ob das Währungspaar Dollar-Franken auf den gleichen Stand wie Anfang Jahr zurückkehrt, hängt mit der US-Wirtschaftsentwicklung und vor allem mit der Fed-Zinspolitik zusammen - und da gibt es viele Spekulationen, wann Janet Yellen die Zügel anzieht. Nur weiss es niemand genau.

Auch der Vergleich mit anderen wichtigen Währungen zeigt, dass sich der Franken aufgewertet hat, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Im Falle des Yen betreibt die Bank von Japan ganz bewusst eine Abwertungspolitik, die vor allem auf das Austauschverhältnis zum Dollar abzielt, aber auch ihre Wirkung auf den Franken nicht verfehlt. Die Folge ist, dass der Nikkei jubiliert und auf 15-Jahres-Höchstständen tanzt. Der Wirtschaft des hochverschuldeten und überalterten Landes hilft es aber nur bedingt. Der Franken hat zum Yen seit Anfang Jahr um 4,85 Prozent aufgewertet (siehe Tabelle).

Franken-Pfund könnte sich erholen

Das britische Pfund fiel am 15. Januar - also dem Tag, als die Nationalbank überraschend die Kursuntergrenze zum Euro aufhob und die Finanzmärkte in einen Schockzustand versetzte - von 1,5547 auf 1,298 Franken. Seitdem hat es sich wieder auf fast 1,47 Franken bewegt. Die relativ starke britische Wirtschaft, die 2014 um 2,6 Prozent gewachsen ist, stützt die Währung, doch will die Bank of England eine zu starke Aufwertung gebenüber dem Dollar und dem Euro vermeiden.

Weil bei der Notenbank in London immer noch damit gerechnet wird, dass sie schon im laufenden Jahr - möglichweise im dritten Quartal - die Zinsen erhöht, kann sich Devisenanalyst Marcus Hettinger von der Credit Suisse vorstellen, dass das Pfund auf über 1,50 Franken klettert und dank Zinsvorteil das Niveau von Anfang Jahr erreichen könnte.

Grossbritannien ist nach Deutschland, den USA, Italien, Frankreich und China der sechstwichtigste Handelspartner der Schweiz. Den Kurs der britischen Währung beobachtet aber auch die Nationalbank, denn sie hat umfangreiche Pfund-Bestände: Sterling ist immer noch eine der wichtigsten Reservewährungen der Welt.

Der Kurs Pfund-Franken seit 1. Januar 2015 (Quelle: cash.ch)

Der Chart, wie er beim Pfund-Franken-Kurs seit Anfang Jahr zu beobachten ist, zeigt sich in einer sehr ähnlichen Form auch bei anderen Währungspaaren. Der Kanada-Dollar, der australische Dollar und auch die schwedische und die norwegische Krone haben Mitte Januar einen tiefen Taucher gemacht, der seitdem nicht wieder aufgeholt wurde. Der kanadische Dollar beispielsweise ist derzeit 0,7805 Franken wert, nachdem auch er im Januar zunächst auf unter 70 Rappen getaucht war. Vor dem SNB-Entscheid bewegte sich der Kanada-Dollar aber meist über 85 Rappen.

Die Währungen von Kanada, Australien und Norwegen sind stark von Rohstoffen getrieben. Der höhere Ölpreis hilft diesen Währungen. Bei Kanada wirkt zusätzlich die enge Verflechtung mit der US-Wirtschaft und die erwartet stabile Zinspolitik der Bank of Canada. Allerdings werden laut Devisenexperte Hettinger auch diese Faktoren im Moment nicht dazu führen, dass sich der "Aussie", der Kanada-Dollar und die norwegische Krone zum Franken vom Januar-Schock ganz erholen werden.

Die chinesische Währung indessen ist nicht frei konvertierbar und bewegt sich in relativ engen Bandbreiten zu anderen Währungen, wobei für die People’s Bank of China vor allem der Dollar wichtig ist. Bisher konnte Peking dem Druck standhalten, den Wechselkurs freizugeben. Geschähe dies, würde der Yuan wohl stark aufwerten und Chinas Wettbewerbsfähigkeit einschränken. Wegen der wirtschaftlichen und politischen Vormachtstellung Chinas – der zweitgrössten Volkswirtschaft nach den USA – wird der Yuan als künftige Weltwährung gehandelt.

Entwicklung der wichtigsten Franken-Währungspaare

Währung Kurs 30. April 2015

Veränderung seit
1. Januar 2015

Euro 1,0504 -12,68%
Dollar 0,9402 -5,45%
Pfund 1,4449 -6,77%
Yen (Japan) 0,0079 -5,55%
CAD (Kanada) 0,7805 -8,83%
AUS (Australien) 0,7419 -8,66%
SEK (Schweden) 0,1126 -11,59%
NOK (Norwegen) 0,1250 -6,19%
BRL (Brasilien) 0,3149 -15,8%
CRY (China) 0,1518 -5,25%

Quelle: cash.ch, Stand 30. April, 16 Uhr