Franken-Hoch: Wie reagiert die Autobranche?

Mit dem Ende der Euro-Mindestgrenze sind Autokäufe im Ausland noch attraktiver geworden. Das zwingt die Schweizer Autohändler, Euro-Rabatte zu geben - auch wenn dies die Branche schmerzt.
29.01.2015 01:07
Von Marc Forster
Audi gehört zu den erfolgreichsten Marken in der Schweiz: Wegen der Euro-Parität werden die Fahrzeuge des bayerischen Herstellers billiger.
Audi gehört zu den erfolgreichsten Marken in der Schweiz: Wegen der Euro-Parität werden die Fahrzeuge des bayerischen Herstellers billiger.

Der Automarkt Schweiz sind schon seit längerem in Bewegung. Ein direkt importierter VW Golf beispielsweise - meistverkauftes Auto in der Schweiz - kostet beim Direktimporteuer 20 bis 35 Prozent weniger als auf dem Listenpreis. Der Anteil der direktimportierten Autos in der Schweiz überstieg denn zweitweise auch die Marke von über zehn Prozent bei allen zugelassenen Autos in der Schweiz.

Die Aufhebung der Kursuntergrenze vom Franken zum Euro durch die Nationalbank vor zwei Wochen bringt den Automarkt Schweiz wohl nun noch mehr in Bewegung, nachdem die Kursuntergrenze der SNB für etwas Stabilität und Ruhe gesorgt hatte. Denn auch der Autokauf im Ausland ist wegen der neuen Währungssituation für Schweizer noch einmal billiger geworden. So berichten einzelne Autohändler in Konstanz, dass sie täglich zwei Autos in die Schweiz ausliefern.

Die Auto-Branche Schweiz sieht sich also einer ähnlichen Situation ausgesetzt wie in der Zeit vor Einführung der Kursuntergrenze zum Euro. Zwischen 2007 und 2011 fiel die Gemeinschaftswährung von 1,65 Franken faktisch auf die Parität, bevor am 6. September 2011 die SNB die Verteidigung des 1,20-Franken-Mindestkurses ankündigte. Der Autohandel sah sich damals Kritik ausgesetzt, weil er den Kurssturz des Euro zum Franken bei den Preisen nur langsam nachvollzog.

Kritik war heftig

Diesmal reagiert der Handel anders, wenn auch nicht unbedingt auf breiter Front. Mercedes Schweiz etwa kündigte am 20. Januar an, dass bei allen Autos sofort ein Rabatt von 18 Prozent gelte. Porsche reagierte mit Gratis-Zusatzausstattungen und rechnet auf der Website vor, welchen Betrag Sportwagen-Fans beim Kauf dadurch einsparen. Auch BMW Schweiz stellt Kaufwilligen Reduktionen in Aussicht, allerdings ohne konkreten Angaben.

Eine Ausnahme bleibt Amag. Der Importeur der VW-Konzernmarken vertreibt in der Schweiz unter anderem die zu den Verkaufsschlagern gehörenden VW Golf und Audi A4. Reagiert hat der grösste Importeur in der Schweiz bisher bei Occasionen, die im Zuge des Euro-Kurszerfalls jetzt auch billiger werden. Amag stellt Nachlässe von bis zu 10'000 Franken für gebrauchte Autos in Aussicht, hat aber bei Neuwagen noch keine konkreten Ankündigungen gemacht. Die Neuwagen würden in Franken bezahlt, entsprechend brauche es Verhandlungen, heisst es in einer Stellungnahme.

Millionenverluste in Kauf nehmen

Gemäss dem Branchenverband auto-schweiz sind Rabatte aber unumgänglich. Die Organisation erklärt das Zögern der Händler damit, dass generelle Preissenkungen mit dem Hersteller abgesprochen sein müssten, was ein einigermassen komplizierter Vorgang sei. Aber auch auto-schweiz lässt durchblicken, dass sich die Branche der Kritik, die sie sich vor rund fünf Jahren zugezogen hatte, nicht nocheinmal aussetzen sollte.

Schmerzhaft ist für die Branche der Bestand an Lagerfahrzeugen, Flottenautos und Vorführwagen, die noch zum alten Kurs eingekauft wurden: "Dies betrifft die Importeure, vor allem aber auch die Händler. Bei 4000 Händlern, die im Schnitt 15 Autos in der Garage haben, stehen somit Millionenverluste im Raum", sagt auto-schweiz-Präsident François Launaz gegenüber cash.

Diese Verluste muss die Branche wohl verkraften, da die Kunden sonst mit den Füssen abstimmen - sei es bei Direktimporteuer oder im Ausland. Oder die Schweizer Kunden warten auf fallende Preise. Auto-Schweiz prognostiziert für Januar und Februar bereits einen tieferen Absatz, und diese Einbusse lässt sich im Rest des Jahres nicht so einfach wieder aufholen.