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«Franken-Nachfrage nimmt weiter ab»

Die Schweizer Währung hat jüngst an Attraktivität verloren. Was sind die Gründe dafür? Und welche Rolle spielt die Schweizerische Nationalbank? Devisenexpertin Ursina Kubli gibt im cash-Börsen-Talk Auskunft.
20.05.2016 01:05
Von Ivo Ruch
Ursina Kubli, Währungsstrategin und Ökonomin bei der Bank J. Safra Sarasin.
Bild: cash

Schritt für Schritt ist der Schweizer Franken zum Euro schwächer geworden. Der Euro-Franken-Kurs ist in den letzten Wochen von unter 1,09 bis bis zweitweise über 1,11 geklettert. Währungsexpertin Ursina Kubli führt das vor allem auf die abgenommenen Befürchtungen eines Brexit zurück, also das Ausscheiden Grossbritanniens aus der Europäischen Union. "Einmal mehr sieht man, dass die Stimmung an den Finanzmärkten der wichtigste Faktor für den Franken ist", so die Strategin der Bank J. Safra Sarasin im cash-Börsen-Talk.

Der Jahreshöchststand von Anfang Februar bei 1,12 ist nicht mehr weit entfernt. "Der Franken ist immer noch sehr teuer. Die Nachfrage wird sich weiter abschwächen und der Euro-Franken-Kurs steigen", sagt Kubli im cash-Börsen-Talk.

Euro-Franken-Kurs in den letzten zwölf Monaten, Quelle: cash.ch

Immer wieder wird spekuliert, inwiefern die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Devisenmarkt aktiv ist und den Franken abschwächt. Die derzeitige Situation kommt der SNB bestimmt entgegen, war der Franken im Laufe des letzten Jahres doch schon deutlich teurer. Fakt ist: Die SNB-Devisenreserven stiegen im April um rund elf Milliarden auf 587,6 Milliarden Franken. Auf Interventionen am Markt deuten auch die Sichtguthaben hin. Diese legten im April um insgesamt rund 7,5 Milliarden Franken zu.

"Devisenmärkte sind stark trendgetrieben", so Kubli. Die SNB versuche, solche Trends zu einem stärkeren Franken zu verhindern. Mitverantwortlich dafür sind auch die Strafzinsen von minus 0,75 Prozent, die allmählich ihre Wirkung entfalten und den Franken weniger attraktiv machen.

Massive Verwerfungen drohen

Eine der auffälligsten Bewegungen hat der Schweizer Franken jüngst zum britischen Pfund vollzogen. Nachdem das Pfund zu Jahresbeginn deutlich an Wert verlor, hat die britische Währung im letzten Monat mehr als 3 Prozent zugelegt.

Die Nervosität rund um den Brexit bleibt allerdings hoch. Umfragen deuten auf ein bis zuletzt knappes Rennen zwischen Befürwortern und Gegner hin. "Ein Brexit würde zu massiven Verwerfungen an den Devisenmärkten führen", sagt Ökonomin Kubli. Sie rechnet mit einer Pfund-Abwertung von 10 Prozent und auch mit einer Abschwächung des Euro.

"Brexit-Fears": Pfund-Franken-Kurs im laufenden Jahr, Quelle: cash.ch

Ebenfalls im Fokus von Devisenspezialisten steht die Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed. An den Börsen war zuletzt kaum noch mit einer raschen Anhebung der Leitzinsen gerechnet worden. Doch laut dem jüngsten Sitzungsprotokoll der Fed wird neuerdings eine Zinserhöhung bereits im Juni ins Auge gefasst.

Für das Währungspaar Dollar-Franken bedeutet dies eine weitere Annäherung an die Parität. Aktuell steht der Kurs bei 0,988. Wenn die Zinsen in diesem Jahr nochmals angehoben würden, sei das durchaus "positiv" für den Dollar-Franken-Kurs. "Wir erwarten in diesem Jahr noch einen Stand von 1,03", sagt Devisenexpertin Ursina Kubli.

Für grosse Unsicherheit sorgt das Rennen um die amerikanische Präsidentschaft. Wie es derzeit aussieht, dürften sich im Herbst die ehemalige Aussenministerin Hillary Clinton und der Immobilienmogul Donald Trump gegenüberstehen. Würde Trump triumphieren, hätte das zweifellos grosse Auswirkungen auf den US-Dollars.

Im Börsen-Talk sagt Ursina Kubli zudem, vor welchen Problemen die japanische Notenbank steht und wo sich die Sommerferien aus Währungssicht lohnen.