Die französischen Behörden wappnen sich nach den landesweiten Demonstrationen am Wochenende für weitere Unruhen. Innenminister Laurent Nunez sagte am Montag, er rechne am kommenden Samstag ‌mit ⁠erneuten Ausschreitungen. «Der Halloween-Abend ist traditionell immer ein wenig lebhaft. Wir gehen davon aus, dass es ⁠wieder kompliziert wird», sagte er dem Sender BFM TV. Präsident Emmanuel Macron kündigte «starke Massnahmen» der Regierung zur Beruhigung der Proteste ‌an. Er habe die Regierung zudem aufgefordert, auf die legitimen ‌Forderungen einzugehen, die dieser sozialen Bewegung zugrunde ​lägen, sagte Macron vor Journalisten in Marseille. Ministerpräsident Sebastien Lecornu wollte noch am Montag nach einem Treffen mit Schüler- und Studentengewerkschaften vor die Presse treten.

Bei den Demonstrationen am Samstag, zu denen Gewerkschaften unter anderem wegen steigender Lebenshaltungskosten aufgerufen hatten, waren landesweit 70'000 Polizisten im Einsatz. Nunez zufolge ‌wurden 1435 Menschen festgenommen. Der Innenminister sprach von einem neuen Phänomen, bei dem rechtsextreme Gruppen gezielt linksextreme Aktivisten angriffen: «In einigen Städten wie Nizza und Montpellier rückten diese Gruppen in organisierten Formationen an, ​hauptsächlich um die ultralinke Bewegung ins Visier zu nehmen.»

Die Regierung bezeichnete ​die Polizeieinsätze am Samstag als Erfolg. «Der Staat hat sich ​an diesem Wochenende durchgesetzt. Der Staat war stark», erklärte Regierungssprecherin Maud Bregeon im Radiosender RTL. Die Demonstranten, zu ‌denen Gewerkschafter, Studenten und Anhänger der «Gelbwesten»-Protestbewegung gehören, hätten legitime Anliegen. Für Verhandlungen müsse die Gewalt jedoch enden: «Es gibt Forderungen, die gehört und beantwortet werden müssen. Um sie zu beantworten, gibt es eine Voraussetzung: ​die ​Rückkehr zur Ruhe.»

Die Proteste bringen die Regierung ⁠von Macron seit Wochen in Bedrängnis. Die Bewegung hat ​sich weit über die ⁠anfängliche Unzufriedenheit der Studierenden und Schüler hinaus ausgeweitet. Dabei kam es wiederholt zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Die ‌Wirtschaft klagt über schwere Einbussen infolge der Ausschreitungen. Da viele Einzelhändler ihre Geschäfte aus Sorge vor Plünderungen und Vandalismus geschlossen hielten, seien die Umsätze um rund ‌80 Prozent eingebrochen, sagte Alain Di Crescenzo, Präsident der Organisation der ​Industrie- und Handelskammern. Ladenbesitzer seien müde und demoralisiert. Der lokale Handel werde getötet, sagte er dem Sender Radio Classique.

(Reuters)