Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – fiel auf 48,4 Punkte von 51,1 Zählern im September. Das teilte der Finanzdienstleister S&P Global am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage mit. Das Barometer liegt damit unter der Marke von 50 und signalisiert damit eine schrumpfende Wirtschaft. Das kommt unerwartet: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf 50,5 Zähler erwartet.
«Die Konjunkturerholung im September erwies sich als kurzlebig», sagte Ökonom Joe Hayes von S&P Global Market Intelligence. «Das überrascht angesichts der raschen Verschärfung der finanziellen Bedingungen und des zunehmenden politischen Drucks in ganz Frankreich im Oktober kaum.»
Land kommt nicht zur Ruhe
Am vergangenen Wochenende war es bei landesweiten Protesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten zu Strassenschlachten und Plünderungen gekommen. Für diesen Samstag haben Studentenverbände und Gruppen der «Gelbwesten»-Bewegung zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Hinzu kommt eine Haushaltskrise: Die Rendite für französische Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg diese Woche über die Marke von fünf Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 24 Jahren. Hintergrund ist der Versuch einer geschwächten Regierung, einen Etat durch das Parlament zu bringen und das hohe Defizit zu senken. Die Unsicherheit vor einer hart umkämpften Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr belastet zusätzlich.
Sowohl der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister als auch der für die Industrie fielen unter die Wachstumsschwelle von 50. «Die Oktober-Zahlen könnten ein Vorgeschmack auf das sein, was noch kommt», erklärte Hayes. Der Stimmungsindikator, der die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten zwölf Monate misst, sei auf ein Sechseinhalb-Jahres-Tief gefallen. Dies spiegele die Sorgen über die sich abzeichnende, höchst unsichere Präsidentschaftswahl 2027 wider. Diese kämen zu den bereits bestehenden Sorgen über die Haushaltslage Frankreichs hinzu.
(Reuters)

