Frauenstreik - Geld verdienen mit Frauenrechten?

Der Schweizer Frauentag fordert Lohngleichheit zwischen Mann und Frau. Diese zwei ETF investieren in Unternehmen, die sich in puncto Geschlechterdiversität positiv hervortun. Mit erstaunlicher Performance.
13.06.2019 17:05
Von Henning Hölder
Frauen im Top-Management verbessern laut McKinsey die Performance von Unternehmen.
Frauen im Top-Management verbessern laut McKinsey die Performance von Unternehmen.
Bild: Pixabay

Unternehmen, die in ihrem Führungsgremium auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis achten, haben eine 21-prozentige Wahrscheinlichkeit überdurchschnittlich erfolgreich zu sein. Das sagt zumindest eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey aus dem Jahr 2018. Kurzfazit der Untersuchung: Nur wenn Geschlecht und Ethnie keine Rolle spielen, steigen die besten Kandidaten ins Top-Management auf, ergo sind die Voraussetzungen gegeben, das Beste für das Unternehmen herauszuholen.

Will heissen: Fernab von moralischen Gender-Diskussionen lassen sich demnach auch rein sachliche und ökonomische Gründe finden, in Firmen zu investieren, die Geschlechterdiversität grossschreiben. In Europa gibt es zwei grössere ETF (Exchange Traded Funds), die ihren Fokus auf solche Unternehmen legen.

Global Gender-ETF: Lyxor

Der Lyxor Global Gender Equality (DR) UCITS ETF der französischen Investmentgesellschaft Lyxor Asset Management war der erste in Europa. Der im November 2017 eingesetzte Fonds investiert weltweit in 150 Unternehmen, die der Gleichstellung der Geschlechter einen hohen Stellenwert geben. Der dem ETF zugrunde liegende Index wurde von der NGO Equileap und dem deutschen Anbieter von Börsenindizes Solactive ausgearbeitet.

Für die Aufnahme in den Index sind folgende vier Punkte ausschlaggebend: Ausgewogenheit bei der Besetzung von Führungspositionen und innerhalb der Gesamtbelegschaft, gleiche Bezahlung, Massnahmen zur Verbesserung der Gleichstellung sowie Bekenntnis zum Grundsatz der Förderung von Frauen.

Kursentwicklung des Lyxor Global Gender Equality (DR) UCITS ETF von Lyxor Asset Management seit Jahrsbeginn. (Quelle: justetf.com)

Die grösste Position hält der ETF aktuell im Londoner Hersteller von Beauty-Produkten Avon Products. Andere Titel, in denen der ETF investiert ist, sind das US-amerikanische Wasserversorgungsunternehmen American Water sowie der italienische Energiekonzern Enel. Mit einem Gesamtvolumen von derzeit knapp 18 Millionen Euro ist der ETF allerdings noch nicht wirklich gross.

Global Gender-ETF: UBS

Weitaus bedeutender ist der im Dezember 2017 lancierte Global Gender Equality UCITS ETF der UBS mit einem Gesamtvolumen von über 150 Millionen Franken. Auch dieser börsengehandelte Fonds koppelt sich an einen von Equileap und Solactive entwickelten Index, dem Solactive Equileap Global Gender Equality 100 Leaders Index. Der durch eine Zusammenarbeit von UBS Wealth Management und UBS Asset Management entstandene ETF ist zu knapp 50 Prozent in US-amerikanische Firmen investiert. Wie viel Geld in Schweizer Firmen fliesst, ist nicht aufgeführt, da sie bei der Gewichtung unter "übrige" fungiert.

Kursentwicklung des Global Gender Equality UCITS ETF von der UBS seit Jahrsbeginn. (Quelle: justetf.com)

Zu den aktuell grössten Positionen zählen etwa der US-amerikanische Schokoladenhersteller Hershey Company, die australische Immobiliengruppe Mirvac oder das spanische Energierunternehmen Iberdrola.

Performance hält Schritt mit MSCI World

Die Performance der beiden frauenfreundlichen ETF halten Schritt mit dem MSCI World. Während der Weltindex seit Anfang Jahr rund 14,5 Prozent gestiegen ist, konnte der UBS-ETF seit Jahresbeginn um knapp 14 Prozent wachsen. Der Lyxor-ETF schafft eine Year-to-Date-Performance von gut 15,5 Prozent und überflügelt damit den MSCI sogar. Positiv an den ETF-Produkten sind zudem die tiefen Gebühren. Bei der UBS kommt man mit einer Total Expense Ratio (TER) von 0,3 Prozent günstig weg, bei Lyxor werden sogar nur 0,2 Prozent fällig.

Die Performance der beiden ETF-Produkte sowie deren Zusammensetzung zeigt: Bei Anlageprodukten mit Fokus auf nicht-monetäre Faktoren wie Geschlechterdiversität müssen Anleger nicht zwangsläufig Einbussen bei der Rendite in Kauf nehmen.