Fusionen und Übernahmen - M&A-Vermögensberatung im Visier von Goldman Sachs und anderen

Transaktionen im Bereich Anlageberatung, einst ein fragmentierter Nebenschauplatz im Bereich Finanzdienstleistungen, nehmen zu. Die Wall Street hat ein Auge auf die Provisionen dieses Geschäfts geworfen.
15.12.2019 02:12
M&A-Vermögensberatung im Visier von Goldman Sachs und anderen
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Fusionen und Übernahmen, bei denen Vermögensberater und Broker involviert sind, erreichten im November ein Sieben-Jahres-Hoch, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Das war noch vor dem Blockbuster-Deal von Charles Schwab, für 26 Milliarden Dollar TD Ameritrade zu übernehmen.

Die Wall Street schwimmt in Bargeld, und Unternehmen von Goldman Sachs bis zu Private-Equity-Unternehmen investieren wegen der stabilen Einnahmequellen in Vermögensverwalter. Gründer von Beratungsunternehmen suchen Nachfolger nach Jahren der Expansion, die vom historischen Bullenmarkt angetrieben werden.

Unabhängige Berater haben viele Gründe, jetzt zu verkaufen. So könnten Angebote ausbleiben, wenn eine Baisse kommt. Denn die Erträge sind direkt an die Vermögenswerte gebunden, für die Beratung angeboten wird und die bei einer Schrumpfung der Aktienportfolios sinken würden.

“Die Preis-Situation war für Verkäufer noch nie besser als heute”, sagte Peter Nesvold, Investmentbanker bei Raymond James Financial Inc. “Es ist immerhin das elfte Jahr einer Expansion. Wenn nicht jetzt, wann dann?”

Die in diesem Jahr angekündigten Fusionen und Übernahmen von US-amerikanischen Vermögensberatern und -makler überstiegen im November vor der Schwab-Ankündigung 5,9 Milliarden Dollar gegenüber 5,5 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2018, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Bis Mittwoch vergangener Woche gab es 79 Zusammenschlüsse, verglichen mit einem Nach-Krisen-Hoch von 92 im Gesamtjahr 2018.

Zwar besteht die Gefahr, Spitzenpreise zu zahlen. Aber ein Grund für die hohen Bewertungen ist, dass unabhängige Berater eine seltene Spezies im Finanzsektor sind, die der Gebührenkomprimierung trotzen. Indes drückt anderswo die Technologie die Transaktionskosten.

Private Equity speist den Trend

Kunden zahlen einem registrierten Anlageberater (RIA) in der Regel etwa Provisionen von 1% des Kapitals pro Jahr für personalisierte Dienstleistungen wie Portfolioaufstellung, Vermögensplanung und Steuerstrategien. Im Vergleich dazu erzielte Schwab im letzten Quartal Erträge von 29 Cent pro 100 Dollar Kundenvermögen. Fintech-Firmen wie Wealthfront und Betterment bieten so genannte Robo-Beratung für praktisch nichts an.

RIAs mit einem Kapital von 2,4 Billionen US-Dollar werden potenzielle Akquisitionsziele für das nächste Jahrzehnt sein, schrieb Cerulli Associates in einem Bericht im November. Der wichtigste Wachstumstreiber sind so genannte Aggregatoren, auf die 3% der Unternehmen und 8% der Vermögenswerte entfallen. Die 10 größten so genannten RIA-Consolidators steigerten ihre Vermögenswerte in den letzten fünf Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 22%, gegenüber 10% für den Gesamtbereich.

“Consolidators sammeln Vermögenswerte mit einer viel schnelleren Rate als der breitere RIA-Markt ein, der wiederum andere Kanäle übertrifft”, sagte Marina Shtyrkov, Analystin bei Cerulli in Boston. “Sie versuchen, diesen stark fragmentierten Markt zu bündeln und Skaleneffekte zu erzielen. In einem Markt, in dem die Mehrheit der Unternehmen noch kleine Gesellschaften sind, entwickeln sie sich zu großen Marktführern.”

Private Equity speist den Trend. Stone Point Capital und KKR sind die größten Aktionäre von Focus Financial Partners, einem Aggregator mit einem Kundenvermögen von mehr als 200 Milliarden Dollar, der 2018 an die Börse ging. Oak Hill Capital hat im September den Erwerb eines Anteils an Mercer Advisors angekündigt.

David DeVoe, ein in San Francisco ansässiger Berater, der die Branche verfolgt, hat in den ersten drei Quartalen 2019 101 M&A-Deals von RIA beobachtet, verglichen mit 100 im Gesamtjahr 2018. “In den letzten Jahren waren Masse und das Interesse an Skalen-Effekten der Hauptantriebsfaktor”, sagte DeVoe. “Am Markt tummeln sich eine ganze Reihe erfahrener, starker Käufer und das trägt auch zu dieser Aktivitätswelle bei.“

Verkäufer haben eine Reihe von Optionen, von vollständigen Buy-Outs bis hin zu Partnerschaften mit Anbietern von Back-Office-Support. Diese Struktur ermöglicht es ihnen, ihre Marke zu behalten und sich auf die Rekrutierung von Kunden oder die persönliche Beratung zu konzentrieren.

Zum Jahresende 2018 gab es in den USA mehr als 17.000 auf Privatanleger fokussierte RIA-Unternehmen, die zusammen 4,8 Billionen Dollar verwalten, sagt Cerulli. Die Gesellschaft geht davon aus, dass Unternehmen mit 1,6 Billionen Dollar aufgrund des Rückzugs von Eigentümern in Transaktionen involviert sein werden.

Der “perfekte Verkäufer“ ist ein 59-jähriger Gründer, der sich besorgt zeigt, die aktuell günstige Preissituation zu verpassen, sagt Rush Benton, M&A-Chef bei Captrust. Käufer möchten oft, dass die alten Eigentümer bereit sind, noch einige Jahre nach einem Verkauf zu arbeiten, da die laufenden Kundenbeziehungen der Schlüssel zum Unternehmenswert sind. “Je älter der Gründer wird, desto weniger Wert hat das Unternehmen”, sagte Benton, der in diesem Jahr vier Akquisitionen von Unternehmen mit einem Gesamtvermögen von 7 Milliarden Dollar betreut hat.

Joe Duran, der Vorstandsvorsitzende von United Capital, möchte seine Beratungsfirma noch lange leiten und ausbauen. Er hat einen kapitalkräftigen und vertriebsstarken Partner gefunden: Goldman Sachs zahlte im Mai 750 Millionen Dollar für sein in Newport Beach, Kalifornien, ansässiges Unternehmen. Für die Bank war es eine Gelegenheit, ihre gebührenbasierten Dienstleistungen für Privatanleger auszubauen. “Die unabhängigen RIAs sind wirklich die Stars in der Kategorie der Vermögensverwaltungs-Dienstleistungen”, sagte Duran.

(Bloomberg)