Zum Stichtag lag der durchschnittliche Füllstand bei 61,03 Prozent, wie aus am Sonntagabend veröffentlichten Daten des europäischen Gasinfrastrukturverbandes GIE hervorgeht. Demnach ist der durchschnittliche Speicherstand in den zurückliegenden Tagen jeweils leicht gesunken. Für die meisten Speicher gilt zum 1. November eine Mindestfüllmenge von 80 Prozent, für sechs Anlagen eine abgesenkte Vorgabe von 45 Prozent. Daraus ergibt sich rechnerisch eine bundesweite Zielmarke von rund 70 Prozent.
Das Unterschreiten der Zielmarke war erwartet worden. Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde haben mehrfach erklärt, dass die Versorgungssicherheit im Winter dennoch gewährleistet sei. Der Branchenverband INES warnte dagegen vor Risiken durch die niedrigen Füllstände.
Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist Deutschland auch ohne Erreichen der gesetzlichen Gasspeicherziele sicher mit Erdgas versorgt. «Es ist für die sichere Gasversorgung nicht mehr zwingend, dass die Speicherziele erreicht werden», sagte Behördenchef Klaus Müller am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland verfüge mittlerweile über Flüssiggas-Terminals, über die Gas importiert werden könne. Zugleich warnte er vor höheren Kosten: «Aber Gas ist erheblich teurer geworden, dessen müssen sich leider alle Kunden bewusst sein.»
«Speicher sind weiter wichtig, aber ihre Bedeutung hat sich verändert», sagte Müller. Entscheidend für die Versorgung sei das Zusammenspiel von Pipeline- und Flüssiggasimporten, Speichern, Infrastruktur und Nachfrage. «Die Gasversorgung ist stabil. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung aktuell als gering ein.»
Der Branchenverband INES warnte dagegen, dass es nach seinen Modellrechnungen vom September bei einem extrem kalten Winter zu erheblichen Versorgungsengpässen kommen könne. INES vertritt die Betreiber von Gas- und Wasserstoffspeichern. Seine Mitglieder repräsentieren mehr als 90 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten. Die Betreiber verdienen an der Vermarktung ihrer Kapazitäten und profitieren von einer entsprechenden Nachfrage. INES fordert unter anderem staatlich vergünstigte Kredite, um die Einspeicherung wirtschaftlich attraktiver zu machen.
Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums hatte am Freitag unterstrichen, dass es eine «ganz andere Situation» sei als in der Energiekrise 2022. Damals waren nach dem russischen Angriff auf die Ukraine die Gaslieferungen aus Russland zunächst eingeschränkt worden und im Jahresverlauf ganz ausgefallen. Inzwischen gebe es mit staatlichen und weiteren privaten LNG-Terminals sowie Pipeline-Importen aus Norwegen andere Möglichkeiten, an zusätzliches Gas zu gelangen. Dem Ministerium zufolge reichen die aktuellen Füllstände in Deutschland und Europa nach Einschätzung der europäischen Fernleitungsnetzbetreiber und der EU-Kommission aus, um die Versorgung auch bei kalten Temperaturen sicherzustellen.
(Reuters)

