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Gefallene Uhrenaktie - Ist die Kursschwäche bei Swatch eine Kaufgelegenheit?

Die Inhaberaktie von Swatch ist in der SMI-Rangliste seit Jahresbeginn abgerutscht. Doch auch 15 Prozent unter den Jahreshöchstkursen gibt es Argumente, die gegen einen Einstieg sprechen.
07.07.2017 13:38
Von Lorenz Burkhalter
Swatch-Laden an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Swatch-Laden an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bild: cash

Bis vor wenigen Wochen gehörte die Inhaberaktie der Swatch Group bei Kursen um die 410 Franken zu den besten Aktien aus dem Swiss Market Index (SMI) in diesem Jahr. Seither bröckelt ihr Kurs. Dennoch kann der Uhrenhersteller aus Biel mit einem Plus von 11 Prozent seit Anfang Januar noch immer locker mit dem SMI (+8 Prozent seit Jahresbeginn) mithalten.

Wie es weitergeht, darüber werden die Halbjahreszahlen vom 3. August mitentscheiden. Zumindest in einem Punkt sind sich die Analysten einig: Die Umsatzentwicklung dürfte sich in den ersten sechs Monaten stabilisiert, wenn nicht gar etwas erholt haben.

Auffällige Häufung von Schätzungskürzungen

Bei der Margenentwicklung gehen die Erwartungen hingegen weit auseinander. Während die UBS von einem operativen Gewinn (EBIT) von gerademal 353 Millionen Franken ausgeht, liegt die Prognose der Rivalin Credit Suisse bei 386 Millionen Franken. Das wiederum entspricht in etwa dem Durchschnitt aller Banken.

Was auffällt: In den letzten Tagen haben gleich mehrere Analysten ihre Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr mit dem Rotstift überarbeitet. In einigen Fällen wurden die Schätzungen um bis zu 8 Prozent nach unten genommen.

Die Swatch-Inhaberaktie (rot) nähert sich von oben wieder dem SMI (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Diese Häufung von Abwärtsrevisionen sorgt an der Börse im Vorfeld der Halbjahrespräsentation für Nervosität. Die Befürchtung: Mit dem Kursplus von gut 40 Prozent seit August letzten Jahres könnte sich die Swatch-Aktie etwas sehr vom Tagesgeschäft nach oben gelöst haben.

Auch die starke Mai-Statistik für die Schweizer Uhrenexporte vor gut zwei Wochen - sie zeigte um die Anzahl Arbeitstage bereinigt einen Anstieg von 9 Prozent auf 1,7 Milliarden Franken - dämpfte diese Nervosität nur kurz.

Swatch Group, ein schlechter Dividendenzahler

Denn obwohl die Inhaberaktie mittlerweile mehr als 15 Prozent unter den Jahreshöchstkursen liegt, errechnet sich für dieses Jahr noch immer ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 27. In Erwartung einer kräftigen Gewinnsteigerung dürfte das KGV bis ins nächste Jahr hinein auf 20 fallen. Auch das ist eine ziemlich stolze Zahl.

Kommt dazu, dass die Swatch Group kein guter Dividendenzahler ist. Für das vergangene Jahr entrichtete das Unternehmen den Anlegern 6,75 Franken je Aktie. Das entspricht einer eher mageren Rendite von 1,9 Prozent. Zum Vergleich: Die im SMI vertretenen Firmen weisen eine durchschnittliche Dividendenrendite von 3,2 Prozent auf.

Die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick:

Kennzahl

2017*

2018*

Kurs-Gewinn-Verhältnis

27,3

20,5

Kurs-Buchwert-Verhältnis

1,5

1,4

Dividendenrendite

1,9 Prozent

2,1 Prozent

Operative Marge (EBIT)

11,7 Prozent

13,0 Prozent

* auf Analystenschätzungen basierend

Die ambitionierten Erwartungen, gepaart mit der hohen Bewertung und der nur geringen Dividendenrendite, lassen viele Analysten auf der vorsichtigen Seite verharren. Erhebungen der Nachrichtenagentur AWP zufolge raten 8 von 20 Experten zum Verkauf und nur gerade deren vier zum Kauf der Swatch-Aktie. Die Kursziele reichen dabei von 267 bis 415 Franken.

Ein oft gehörtes Verkaufsargument sind die Warenlager der Swatch Group. Diese wachsen schon seit Jahren munter vor sich her. Im vergangenen Jahr lagen sie sogar erstmals bei mehr als 80 Prozent des Jahresumsatzes. Für Branchenkenner steht deshalb fest: Früher oder später drohen schmerzhafte Abschreibungen auf den Lagerbeständen.

Noch immer ein beliebtes Ziel der Leerverkäufer

Auch die von den Smartwatches ausgehenden Risiken sind nicht zu unterschätzen. Zwar mischt auch Swatch kräftig in dieser als zukunftsträchtig geltenden Produktkategorie mit. Allerdings könnten die Smartwatches gerade im Tiefpreissegment und damit der Paradedisziplin der Bieler zu einem Kannibalisierungseffekt führen.

Ähnlich argumentieren die Leerverkäufer. Diese spekulieren auf rückläufige Kurse. Wie Erhebungen des Beratungsunternehmens Markit verraten, liefen Ende Juni Wetten im Umfang von nicht weniger als 15 Prozent der ausstehenden Aktien gegen die Swatch Group. Noch vor wenigen Monaten waren mehr als doppelt so viele Wetten ausstehend.

Die Aktie ist an einem Punkt angelangt, an dem sie dringend auf neue Impulse angewiesen ist. Da das Halbjahresergebnis erst Anfang August zur Veröffentlichung ansteht, gilt das Interesse den Wirtschaftsnachrichten aus den beiden Schlüsselmärkten China und Hongkong sowie der Schweizer Uhrenexporte für Juni. Diese werden als Teil der Schweizer Aussenhandelsstatistik vom 20. Juli kommuniziert.