Gen-Therapien - Verhaltene Reaktionen auf den Milliarden-Deal von Roche

Mit der Übernahme von Sparks Therapeutics stösst Roche ins Geschäft mit Gentherapien vor und nimmt sich dabei Novartis zum Vorbild. Die Analystenreaktionen fallen unterschiedlich aus.
25.02.2019 10:51
Von Lorenz Burkhalter
Der Basler Roche-Turm bei Nacht.

Nach Novartis stösst auch Roche ins Geschäft mit Gen-Therapien vor und übernimmt die US-amerikanische Spark Therapeutics. Das hat seinen Preis: Auf Basis der gebotenen 114,50 Dollar je Aktie errechnet sich ein Kaufpreis von umgerechnet 4,3 Milliarden Franken. Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag entspricht dies einem Aufpreis von gut 120 Prozent. Bereits in der Samstagsausgabe des "Wall Street Journal" wurde über den Deal spekuliert.

Erste Analystenreaktionen sind von Vorsicht geprägt. Im Wissen darum, dass Spark Therapeutics 2018 gerademal 65 Millionen Dollar umgesetzt und dabei einen Verlust von knapp 80 Millionen Dollar eingefahren hat, wird der Kaufpreis als "ziemlich stolz" bezeichnet.

In einem Kommentar bezeichnet die Basler Kantonalbank die Übernahme als lukrativ, aber auch als riskant. Vorläufig täten sich die Krankenversicherer weltweit noch schwer damit tun, die für Gen-Therapien sehr hohen Beträge zu bezahlen, heisst es im Kommentar. Vor diesem Hintergrund hält der Autor für Roche an der Einschätzung "Marktgewichten" mit einem Kursziel von 275 Franken fest.

Eine (riskante) Flucht nach vorn?

Mit Spark Therapeutics erwirbt Roche einen Spezialisten auf dem Gebiet sogenannter Gen-Therapien. Bei letzteren wird ein defektes Gen durch ein gesundes ersetzt. Das US-Unternehmen entwickelt unter anderem Wirkstoffe gegen Hämophilie (Bluterkrankheit). Mit dem Medikament Hemlibra ist auch Roche auf diesem Therapiefeld tätig.

Die Bank Vontobel warnt davor, dass die Gen-Therapie SPK-8011 gegen Hämophilie noch nicht zugelassen ist. Ob SPK-8011 das Rennen mache, werde sich zeigen müssen, so die Zürcher Bank. Von den Konsensschätzungen für SPK-8011 leitet die Bank Vontobel für das Jahr 2021 einen Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar und einen Spitzenumsatz von bis zu 600 Millionen Dollar ab.

Die Zürcher Kantonalbank sieht in der Akquisition von Spark Therapeutics hingegen eine "Flucht nach vorn". Ihres Erachtens hat sich Roche damit eine sehr potente Konkurrenz selbst einverleibt. Mit dem Einsatz bei anderen Krankheitsgebieten ist der Wert von Spark Therapeutics der Zürcher Kantonalbank zufolge noch nicht abzuschätzen.

Nach Novartis nun auch Roche

Roche ist nicht das einzige Pharmaunternehmen, welches das Geschäft mit Gen-Therapien für sich entdeckt hat. Lokalrivale Novartis liess sich den Ausbau dieses Geschäftsfelds mittels der Übernahme von Anbietern wie Avexis, Advanced Applications oder Endocyte in den vergangenen zwölf Monaten umgerechnet mehr als 15 Milliarden Dollar kosten (cash berichtete).

Branchenkenner sehen darin ein wachsendes Interesse grosser Pharmahersteller an Gen-Therapien. In diesem Zusammenhang wird auch auf die kürzlich bekannt gewordene Angebot für Clementia Pharmaceuticals durch die französische Ipsen verwiesen. Einige Analysten bezweifeln allerdings, dass sich mit milliardenschweren Firmenübernahmen in diesem noch jungen Therapiebereich überhaupt Aktionärswerte schaffen lassen.

An der Schweizer Börse SIX ist von Euphorie denn auch nicht viel zu spüren. Der Genussschein von Roche gibt die vorbörslichen Kursgewinne wieder ab und verliert zur Stunde noch 0,6 Prozent auf 275,60 Franken. Die Tagestiefstkurse liegen gar bei 274,55 Franken.