In der alten Woche sorgten die Entschlossenheit der US-Notenbank Fed und ein leichter Rückgang bei den Energiepreisen für etwas Stabilisierung am Markt. «Dem Zinsentscheid der US-Notenbank in der Wochenmitte kam spezielle Bedeutung zu, weil der neue Notenbankchef im Vorfeld in die Kritik geraten war, nicht ausreichend auf die Preisstabilität zu achten», sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.
Der geldpolitische Schlüsselsatz in den USA wurde um einen Viertelprozentpunkt angehoben. In ihrem Zinsausblick signalisierten die Währungshüter zudem, dass sie die Zügel noch ein weiteres Mal anzuziehen gedenken. «Eine glaubwürdige Zentralbank reduziert das Risiko noch stärkerer Zinserhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt», erläutert Gerhard Winzer, Chefvolkswirt bei Erste Asset Management. «'Higher for longer' ist daher nicht nur eine Belastung für die Finanzmärkte. Es ist auch ein notwendiges Stabilitätssignal.»
Allerdings wäre es verfrüht, in Euphorie zu verfallen, schreiben die Experten der Helaba. Nordsee-Rohöl Brent verbilligte sich auf Wochensicht zwar um rund ein Prozent, nachdem Saudi-Arabien in Aussicht gestellt hatte, seine beschädigte Ost-West-Pipeline innerhalb weniger Tage mit halber Kapazität wieder hochzufahren. «Dennoch stellen die hohen Energiepreise bereits jetzt für die Weltwirtschaft eine Herausforderung dar - ebenso wie die jüngst wieder aufgeflammten Zolldiskussionen zwischen den USA und der EU», hiess es im Helaba-Bericht. Der SMI notiert rund 1 Prozent über dem Vorwochenschluss.
Nachdem sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Fed mit ihren jüngsten Leitzinserhöhungen auf die steigende Inflation reagiert haben, rückt nun der Konjunkturtrend wieder in den Fokus. «Zahlreiche Frühindikatoren werden nächste Woche zeigen, wie stabil der Wachstumstrend diesseits wie jenseits des Atlantiks derzeit wirklich ist», sagt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck. «Noch sieht es eher nach einer kleinen Konjunkturdelle aus - doch umso länger die Energiepreise aufgrund des anhaltenden Iran-Kriegs hoch bleiben, desto grösser das Risiko für einen stärkeren Konjunkturdämpfer als heute weithin erwartet.»
SNB im Fokus
Die neue Konjunkturdatenwoche eröffnen am Dienstag die Daten zum Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im September. Im Fokus am Mittwoch stehen die Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone und die USA in diesem Monat. Diese könnten durch die erneute Eskalation im US-Iran-Konflikt und steigende Energiepreise wieder unter Druck geraten, warnt Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer. Am Donnerstag wird der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex für September veröffentlicht. Zum Wochenschluss prognostizieren die Konsumforscher der GfK die deutsche Verbraucherstimmung für Oktober, die sich laut Experten etwas verschlechtern dürfte.
Im Fokus bleibt auch der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen gab am Mittwoch und Donnerstag zwar etwas nach, lag jedoch mit 3,498 Prozent am Freitag weiterhin unweit ihres 17-Jahres-Hochs. «Wenn der Konflikt im Persischen Golf abebbt und die Inflation wieder sinkt, könnten die Anleiherenditen zwar vorübergehend sinken», sagt Commerzbank-Experte Stamer. «Aber die in Relation zum Bruttoinlandsprodukt steigenden Staatsschulden sprechen längerfristig für weiter steigende Renditen.»
Auf der Unternehmensseite behalten die Anleger weiter vor allem den Technologiesektor im Blick. Sorgen der Anleger über eine mögliche Abschwächung des Entwicklungstempos bei Künstlicher Intelligenz (KI) belasteten zuletzt die Aktienkurse. «Der Ausverkauf in dieser Woche ist ein weiteres Beispiel dafür, wie volatil der Markt ist und wie stark er kurzfristig auf Nachrichten rund um das Thema KI reagiert», sagt Tej Sthankiya, Analyst beim Vermögensverwalter Federated Hermes. Wie lange dieser Ausverkauf noch anhalten wird, lässt sich dem Experten zufolge nur schwer vorhersagen.
In der neuen Woche steht in der Schweiz der Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank im Mittelpunkt. Experten erwarten nicht, dass die Währungshüter am Leitzinsen von 0 Prozent rütteln werden. Unter Beobachtung steht dabei auch die Entwicklung des Schweizer Frankens.
Unternehmensseitig stehen keine Quartalszahlen von grösseren Firmen auf dem Programm.
(Reuters/cash)

