Gesundheitskonzern wird konkret - Galenica-Aktie taucht trotz geplanter Aufspaltung

Der Jahresgewinn fällt bei Galenica stärker als gedacht. Obschon vom Börsengang des Apothekengeschäfts aus Anlegersicht Fantasie ausgeht, gerät die Aktie unter starken Verkaufsdruck.
14.03.2017 10:55
Von Lorenz Burkhalter
Etienne Jornod ist Verwaltungsratspräsident beim Berner Gesundheitskonzern Galenica.
Etienne Jornod ist Verwaltungsratspräsident beim Berner Gesundheitskonzern Galenica.
Bild: ZVG

Die insgesamt etwas schwächer als erwartet ausgefallenen Jahresumsatzzahlen vom Januar hatten es bei Galenica bereits vermuten lassen: Selbst unter Ausklammerung einmaliger Kosten im Zusammenhang mit der milliardenschweren Relypsa-Übernahme verfehlt der Jahresgewinn beim Berner Gesundheitskonzern die Analystenerwartungen teilweise ziemlich deutlich.

Der operative Gewinn fällt im Jahresvergleich um 20 Prozent und liegt damit um knapp 8 Prozent unter den Marktprognosen. Der ebenfalls um knapp 20 Prozent tiefere Reingewinn nach Minderheiten verfehlt die Erwartungen um immerhin noch 4 Prozent.

Den erstmals etwas konkreteren Aussagen hinsichtlich des schon im zweiten Quartal anstehenden Börsengangs von Galenica Santé wird nur bedingt ein grösseres Gewicht beigemessen. Folglich verliert die Galenica-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde 3,3 Prozent auf 1'188 Franken.

Im Zusammenhang mit der geplanten Publikumsöffnung von Galenica Santé äussern sich kaum Analysten zum Zahlenkranz des Mutterkonzerns. Die meisten die Aktie von Galenica abdeckenden Banken sind in den Börsengang involviert und haben ihre Abdeckung vorläufig ausgesetzt.

Pharmageschäft belastet den Gruppengewinn

Wie es heisst, hätten Integrationskosten und hohe Vorabinvestitionen beim im vergangenen Jahr übernommenen amerikanischen Pharmahersteller Relpysa auf den Jahresgewinn gedrückt. Veltassa, das wichtigste Medikament von Relypsa, hat sich in der zweiten Jahreshälfte schlechter als von Experten erwartet verkauft. Noch befinde sich das Präparat aber nicht lange genug auf dem Markt, um zuverlässige Rückschlüsse auf das kommerzielle Potenzial von Veltassa zu ziehen.

Einem Kommentar von Kepler Cheuvreux lässt sich entnehmen, dass das Pharmageschäft (Vifor Pharma) für den auf Gruppenebene tiefer als erwartet ausgefallene Gewinn verantwortlich gemacht werden muss. Auch der Ausblick dieses Geschäftszweigs weiss den Autor des Kommentars nicht zu überzeugen. Seines Erachtens müssen er und viele seiner Berufskollegen ihre Gewinnschätzungen für Vifor Pharma auf Stufe EBITDA um mehr als 10 Prozent reduzieren. Die Galenica-Aktie wird bei Kepler Cheuvreux weiterhin mit "Reduce" und einem auf die Summe der einzelnen Unternehmensteile (SOTP) abgestütztes Kursziel von 950 Franken zum Verkauf empfohlen.

Mässige Wachstumsaussichten bei Galenica Santé

Auch der für Julius Bär tätige Berufskollege zeigt sich enttäuscht von der letztjährigen Gewinnentwicklung. Auch der Ausblick für 2017 bleibt seines Erachtens hinter den Erwartungen zurück. Er stuft die Aktie des Mutterhauses mit "Hold" ein und wird das 1'045 Franken lautende Kursziel voraussichtlich leicht erhöhen.

Ein weiterer in Expertenkreisen genannter Kritikpunkt ist der Ausblick für Galenica Santé. Für 2017 gehen die Verantwortlichen in diesem Geschäftszweig von einem mit dem vergangenen Jahr vergleichbaren Wachstum aus. 2016 konnte der Umsatz um 3,2 Prozent gesteigert werden. Im Hinblick auf die geplante Publikumsöffnung ist deshalb vor allem die hohe Ausschüttungsquote von mindestens 65 Prozent des Jahresgewinns das Hauptverkaufsargument für die Aktie. Die eher verhaltenen Wachstumsaussichten könnten auf den Erlös des Börsengangs drücken, so lautet die Befürchtung einer Händler.