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Globaler Ausblick - «Die Weltwirtschaft steht an einem sehr verwundbaren Punkt»

Gene Frieda befürchtet, dass die globale Wirtschaft nur noch einen Schock vor der Rezession entfernt ist. Im cash-Interview erklärt der Global Strategist von Pimco, was jetzt auf die Anleger zukommt.
17.10.2019 22:20
Von Henning Hölder, London
Gene Frieda, Global Strategist bei PIMCO.
Bild: cash

Die Weltwirtschaft steht auf Messers Schneide. Sie steht nur einen externen Schock entfernt von einer Rezession – sei es durch einen No-Deal-Brexit oder einer weiteren Eskalation des Handelskonflikts. Auf der anderen Seite würden positive Überraschungen in genau diesen Konfliktfeldern eine globale Rezession mit ziemlicher Sicherheit verhindern. Zu diesem Fazit kommt Gene Frieda, Global Strategist beim Anleihenspezialisten Pimco.

"Die Weltwirtschaft steht vor einer Periode grosser Verwundbarkeit. Die Frage ist, mündet dieser Abschnitt in eine Rezession oder kann diese abgewendet werden", äussert Frieda im Interview mit cash. Die Investmentgesellschaft Pimco erwartet in den nächsten drei bis sechs Monaten ein Wirtschaftswachstum mit angezogener Handbremse, will heissen, der Wirtschaft fehlt es an Auftrieb.

Phase des zehnjährigen Wachstumsphase ist vorbei

Die letzten 10 Jahre lebten Investoren quasi in einem Schlaraffenland. Stetiges Wachstum und Niedrigzinsen liessen die Aktienmärkte nach oben schiessen. Das ist jetzt vorbei, heisst offiziell von Pimco. "Jetzt stehen wir vor einem Zeitalter grosser Disruption." Chinas Aufstieg zur globalen Supermacht, vermehrt protektionistische Tendenzen einzelner Volkswirtschaften sowie eine alternde Gesellschaft sind hier nur einige Schlagworte.

Ob die Rezession nun kommt oder nicht, hängt auch von der Politik ab. "Es braucht finanzpolitische Massnahmen, gerade von den nordeuropäischen Ländern", sagt Frieda. Zwar sei die Wirtschaft noch stabil, vor allem im Hinblick auf die Binnennachfrage, doch gerade neue Eskalationen im Handelsstreit stellen hier ein grosses Risiko dar, so Frieda. Das neue "Mini-Agreement" sei dabei ein wichtiges Signal zur Deeskalation. "Wenn es denn wirklich zu Papier gebracht wird, wäre es das erste Mal, dass beide Seiten zeigen, Kompromisse eingehen zu können", so der Anleihenspezialist.

Abwarten und Tee trinken

Und was heisst das für die Anleger? "Sich zurückhalten und abwarten, dass sich Chancen ergeben", ist die Devise von Pimco. Die Fed hätte durchaus noch Pulver für geldpolitische Lockerungen und in Europa erwarte man fiskalpolitische Überraschungen, gerade in Deutschland.

Doch wie viele andere Vermögensverwalter sieht auch Pimco den europäischen Aktienmarkt momentan als schwierig Pflaster. "Für eine diversifizierte Anlagestrategie setzen wir auf Fixed-Income-Lösungen in Schwellenländern", sagt Global Strategist Frieda.

Im cash-Interview erklärt Gene Frieda ausserdem, warum er auf absehbare Zeit nicht in chinesische Titel investieren würde, was der hohe Verschuldungsgrad der chinesischen Wirtschaft für die globale Konjunktur bedeutet und warum sich derzeit Währungen von Schwellenländern als Investment anbieten.

Das Gespräch fand in London im Rahmen einer Pressereise statt, zu der Pimco eingeladen hatte.