«Greenback» auf dem Abstellgleis? - Goldman Sachs sieht Dollar-Status als Weltreservewährung in Gefahr

Die US-Bank Goldman Sachs warnt, dass der US-Dollar Gefahr laufe, seinen Status als weltweite Reservewährung zu verlieren. Das sind die Gründe.
29.07.2020 19:20
Der Dollar gilt noch immer als globale Leitwährung.
Der Dollar gilt noch immer als globale Leitwährung.
Bild: imago images / Imaginechina-Tuchong

Der US-Kongress berät über eine weitere Runde von Fiskalimpulsen, um die von der Pandemie heimgesuchte Wirtschaft zu stützen, und die Federal Reserve hat ihre Bilanz in diesem Jahr bereits um etwa 2,8 Billionen Dollar ausgeweitet. Goldman-Strategen warnten nun, dass die US-Politik in Bezug auf die US-Währung Abwertungsängste auslöse. Infolgedessen könnte der Dollar seinen Status als dominante Kraft an den weltweiten Devisenmärkten einbüssen.

Zwar ist dies in den meisten Finanzkreisen immer noch eine Minderheitenmeinung - und die Goldman-Analysten sagen nicht, dass dies notwendigerweise passieren wird. Aber es trifft eine nervöse Stimmung, die in diesem Monat den Markt befallen hat: Anleger sind besorgt, dass das Anwerfen der Notenbankpresse in den nächsten Jahren Inflation auslösen wird. Sie haben dem Dollar den Rücken gekehrt und sich stark Gold zugewandt. So steuert der Bloomberg Dollar Spot Index auf den schlechtesten Juli seit zehn Jahren zu.

Welche Währung ist in zehn Jahren die Welt-Leitwährung?

Der Dollar schwächt sich ab, dafür hat im Moment der Euro einen guten Lauf. Diskutiert wird verstärkt, ob sich die Gewichte am Währungsmarkt zu verschieben begonnen haben. Was ist Ihre Einschätzung: Welche der vier genannten Währungen wird in zehn Jahren die Weltwirtschaft dominieren? 

US-Dollar
45% (2837 Stimmen)
Euro
19% (1215 Stimmen)
Japanischer Yen
2% (110 Stimmen)
Chinesischer Yuan (Renminbi)
33% (2079 Stimmen)
Gesamtstimmen: 6241

“Gold ist die Währung der letzten Instanz, insbesondere in einem Umfeld wie dem jetzigen, in dem die Regierungen ihre Fiat-Währungen und die Realzinsen auf Allzeittiefs drücken”, schrieben Goldman-Strategen um Jeffrey Currie. Es gibt nun “echte Bedenken hinsichtlich der Langlebigkeit des US-Dollars als Reservewährung.”

Die Goldman-Studie zeigt, dass das anfängliche Zögern der Wall Street zu Beginn der Pandemie, die Alarmglocken bezüglich der Inflation zu läuten, nachlässt. In der Finanzkrise von 2008 hatten sich viele Analysten heftig in die Nesseln gesetzt mit ominösen Prognosen von rasch steigenden Preisen infolge der fiskal- und geldpolitischen Stimuli. Nun zögerten viele, derartige Projektionen wieder abzugeben, insbesondere da die Wirtschaft in eine tiefe Rezession abgerutscht ist.

Aber nachdem Gold Rekordhochs erklimmt und die Inflationserwartungen von Anleiheinvestoren fast täglich steigen, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau, ist die Debatte um die langfristigen Auswirkungen der Stimuli lauter geworden. Die 10j-Breakeven Rate, die Differenz zwischen nominalen und inflationsgebundenen Anleiherenditen, ist von 0,47 Prozent im März auf etwa 1,51 Prozent gestiegen.

Die rekordverdächtige Rally von Gold spiegelt die wachsende Besorgnis bezüglich der Weltwirtschaft wider. Goldman hat ihre 12-Monats-Prognose für Gold auf 2300 Dollar je Unze angehoben, von 2000 Dollar je Unze zuvor. Derzeit notiert das Edelmetal bei etwa 1930 Dollar.

(Bloomberg)