Grossbank - Wirecard-Leerverkäufer shortet Credit-Suisse-Aktie wegen Greensill-Affäre

Ein australischer Hedgefonds wettet gegen die Credit-Suisse-Aktie. Bronte Capital glaubt, dass die Grossbank wegen der Greensill-Affäre Kompensationen wird ausrichten müssen. Die Aktie ist im frühen Handel unter Druck.
11.03.2021 09:40
Sitz der Credit Suisse im Londoner Finanzviertel Canary Wharf.
Sitz der Credit Suisse im Londoner Finanzviertel Canary Wharf.
Bild: Bloomberg

"Ich habe letzte Woche einen ansehnlichen Short platziert", sagte John Hempton, Mitbegründer des Anlagevehikels Bronte Capital Management, in einem Interview. Die Wette laufe vor allem gegen die Aktie der Credit Suisse (CS). Hempton hatte schon Wetten gegen den unter einem Bilanzskandal kollabierten deutschen Finanzdienstleiter Wirecard gesetzt. 

Hedgefondsgründer Hempton erwartet, dass der Schaden aus der Affäre um die umstrittenen Fonds für die CS tief ist. Vergangene Woche schrieb er in einem Blog-Eintrag, Kunden von zumindest einem CS-Fonds hätten die Information gehabt, die unterliegenden Risiken seien durch Versicherer mit hohem Rating abgedeckt. Dies dürfte die CS unter Druck bringen und zu Wiedergutmachungs-Forderungen durch geschädigte Kunden führen. 

Die CS-Aktie fällt im frühen Handel um 1,6 Prozent zurück und ist damit die schwächste SMI-Aktie. Auch die UBS (-1,2 Prozent) ist unter Druck. Die Greensill-Affäre platzt in eine Phase, in der die CS-Aktie Auftrieb gehabt hat. Seit Anfang Jahr ist der Titel um 11,5 Prozent gestiegen, was stark mit den steigenden Renditen am Bond-Markt zu tun hat. Die CS- und die UBS-Aktie haben von der Royal Bank of Canada (RBC) eine Kurszielerhöhung verpasst bekommen. 

CS unter Druck

Die Greensill-Affäre dürfte der grösste Reputationssschaden für die CS sein, seit CEO Thomas Gottstein vor gut einem Jahr das Ruder von Tidjane Thiam übernommen hat. Vergangene Woche hatte die CS angekündigt, vier gemeinsam mit Greensill betriebene Lieferketten-Finanzierungs-Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Dollar aufzulösen und den Anlegern die verfügbaren Barmittel zurückzuzahlen. Am Montag meldete Greensill dann Insolvenz an, nachdem die britisch-australische Finanzgesellschaf den Versicherungsschutz für sein Umschuldungsgeschäft verloren hatte.

Gleichzeitig versucht die Credit Suisse, einen Überbrückungskredit in Höhe von etwa 140 Millionen Dollar von einer Greensill-Gesellschaft in Australien zurückzubekommen. Insidern zufolge beauftragte die Bank McGrathNicol mit der Aufgabe. Credit Suisse und McGrathNicol lehnten Stellungnahmen ab, bei Greensill war vorerst niemand zu erreichen.

Die Affäre um die Fonds der Credit Suisse haben auch personelle Konsequenzen. Der Schweiz- und Europachef des Asset Managements, Michel Degen, sowie zwei weitere Mitarbeitende sind von ihren Funktionen suspendiert worden, wie am Mittwoch berichtet wurde.

(Bloomberg/Reuters/cash)