Forster meint

Grossbanken - X-ter Konzernumbau bei der CS: Der Aktienkurs wird trotzdem nicht steigen

Ein neuer Chef, ein weiterer Konzernumbau. Die Straffung der Investmentbank durch Credit-Suisse-CEO Thomas Gottstein ist weder originell noch wird sie der Bank zu einem besseren Aktienkurs verhelfen.
30.07.2020 10:55
Von Marc Forster
cash-Redaktor Marc Forster
cash-Redaktor Marc Forster
Bild: cash

Das volatile und oft ertragsschwache Investmentbanking der Credit Suisse soll effizienter werden. Vielleicht ist ganz gut, dass der neue CEO Thomas Gottstein die Initiative übernimmt und man bei der CS nach dem Agententhriller um Iqbal Khan und der Coronaviruskrise wieder einmal von etwas anderem redet. 

Nur: Originell ist Gottsteins Vorgehen nicht. Neuausrichtungen in der Struktur dieser Bank haben vielmehr Tradition. Brady Dougan stutzte die Investmentbank nach der Finanzkrise halbherzig zusammen. Tidjane Thiam formte die Bank ebenfalls um, schreckte dann aber vor einem Börsengang des profitablen Schweizer Geschäfts zurück. Und Gottstein macht nun gewissermassen rückgängig, was Thiam nach 2015 umgesetzt hatte. 

Wo die Credit Suisse über all die Jahre nicht vorwärts gekommen ist, ist beim Aktienkurs. Dieser ist letztlich gesunken. Als Dougan 2007 CEO wurde, war die Aktie noch 96 Franken wert. Als er 2015 ging, waren es noch 25 Franken. Als Thiam an Gottstein übergab, bewegte sich der Kurs um 12 Franken.

Das jetzt vorgestellte Zweiquartalergebnis 2020 wird in den höchsten Tönen gelobt. Die CS-Aktie steigt im frühen Handel am Donnerstag, doch die Gewinne schmelzen dahin. Der Titel ist weiterhin weniger als 10 Franken wert. 

Was bleibt, sind die Probleme der Bank. Die CS mag nun wirklich keine schlechte Vermögensverwalterin sein. Sie hat eine führende Stellung in der Welt. Aber sie bleibt gross, relativ schwerfällig und davon abhängig, dass ihr reiche Kunden Geld zur Verwaltung anvertrauen – ein aufwändiges, vielschichtiges Geschäft, das auch viele andere beherrschen.  

Vor allem aber: Die CS hat hohe interne Kosten, zahlt nach wie vor masslos hohe Boni und verfügt über komplizierte Strukturen, die das Unternehmen und den Aktienkurs bremsen. Ein Supertanker mag besser manövrierbar sein, wenn man seine Konstruktion verändert. Vielleicht lässt er sich sicherer steuern, wenn man der Mannschaft neue Aufgaben gibt. Ein Supertanker bleibt er trotzdem. Und eine wirklich leistungssteigernde Maschinenanlage für die CS-Aktionäre hat Gottstein für seinen Bankentanker (noch) nicht entwickelt.  

 
Aktuell+/-%
CS Group N9.766+1.41%