«Gut und Böse» bei der Unternehmensführung in der Schweiz

Christophe Volonté von der Nachhaltigkeitsrating-Agentur Inrate erklärt im cash-Video-Interview, warum Geberit in Sachen guter Unternehmensführung sehr gut abschneidet, Lindt & Sprüngli und Swatch dagegen sehr schwach.
14.09.2016 13:49
Von Daniel Hügli
Christophe Volonté ist Leiter Corporate Governance bei Inrate in Zürich.
Bild: cash

Bereits zum achten Mal liegt die zRating-Studie zum Zustand der Corporate Governance (Grundsätze der Unternehmensführung) in der Schweiz vor. Sieger unter 171 kotierten Schweizer Gesellschaften ist in diesem Jahr der Sanitärtechniker Geberit aus Rapperswil-Jona, gefolgt von Ascom und PSP Swiss Property. Damit belegen die zwei gleichen Firmen die ersten beiden Plätze wie 2015.

Auch sonst haben sich im Ranking nur wenige Veränderungen ergeben. Der Hauptgrund: "Viele Unternehmen warten ab, wie sich das Thema Aktienrechtsrevision entwickeln wird", sagt Christophe Volonté, Leiter Corporate Governance von Inrate, im Video-Interview mit cash. Vor allem die Botschaft des Bundesrates dazu, die bis Ende Jahr erwartet wird, sei für die Firmen interessant.

Inrate, deren Schwesterunternehmen zRating Aktionärsdienstleistungen anbietet, ist eine Agentur für Nachhaltigkeitsratings und hat vor allem Pensionskassen als Kunden. Die Firmen stehen in Konkurrenz zu Stimmrechtsberatern wie Ethos aus Genf oder zu den grösseren Mitplayern wie ISS und Glass Lewis aus den USA.

Analysiert werden die Unternehmen im zRating anhand von 62 Kriterien, die in den Kategorien "Aktionariat und Kapitalstruktur", "Zusammensetzung des Verwaltungsrates und Geschäftsleitung", "Vergütungen" und "Mitwirkungsrechte der Aktionäre" zusammengefasst sind. Die beiden Sieger Geberit und Ascom haben vor allem bei den ersten beiden Kategorien gepunktet.

Unter den Finanzdienstleistern schneidet VZ Holding auf Platz 8 am besten ab, gefolgt von Swissquote auf Rang 17. Auffallend: Die UBS belegt mit Platz 31 eine viel bessere Position als die Credit Suisse, die nur auf Rang 117 landet.

"Naming and Shaming" am Schluss

Das untere Ende der zRating-Studie hat natürlich den Charakter eines "Naming and Shaming". Die wenig transparente Beteiligungsgesellschaft Pargesa belegt mit Abstand den letzten Platz. Lindt & Sprüngli hat die zweitschlechteste Corporate Governance aller 171 untersuchten Firmen, Swatch die drittschlechteste.

Aufallend ist, dass nicht wenige Firmen hintere Plätze belegen, obwohl bei diesen operativ alles gut läuft und auch die Aktienkursentwicklung top ist. Dieser Zwiespalt zeigt sich gerade bei Lindt & Sprüngli. "Bei Lindt & Sprüngli ist sehr viel auf Ernst Tanner fokussiert. Und das stellt ein Risiko für ein Unternehmen dar", erklärt Volonté. Tanner ist nicht nur Verwaltungsratspräsident und (bis Ende Monat) CEO bei Lindt & Sprüngli, sondern gewichtiger Aktionär und mit 7,4 Millionen Franken Vergütung pro Jahr auch Grossverdiener.

Generell sind Vergütungspolitik sowie Mitwirkungsrechte von Aktionären bei den Unternehmen am Schluss der zRating-Tabelle Problemfelder, wie Volonté anmerkt. Sowohl Lindt wie auch Swatch haben nach wie vor zwei Klassen von Wertpapieren für Aktionäre, nämlich Partizipationsschein und Aktie (Lindt) bzw. Inhaber- und Namenaktie (Swatch).

Mit diesem Zweiklassensystem sichern sich die Firmen höhere Stimmanteile gegenüber den Publikumsaktionären. Gerade beim Prinzip "One Share, One Vote" habe sich in der Schweiz im Jahr 2016 keine Veränderungen ergeben, sagt Volonté. 

Im cash-Video-Interview äussert sich Christophe Volonté auch zum zunehmenden Anteil der ausländischen Verwaltungsräte in Schweizer Unternehmen - und wie die Inrate-Rankings bei den Firmen selber aufgenommen werden.