Händler gesucht - Kryptofirma verlangt Bewerbungsgebühr - und lockt mit hohen Gehältern

100 Franken müssen Interessenten hinblättern, um sich für einen Job als «Crypto Trader» in Zürich zu bewerben. Die Stelle wird mit möglichen Monatslöhnen im fünfstelligen Bereich angepriesen. Was steckt dahinter?
07.12.2018 11:04
Von Pascal Züger
Kryptowährungen wie Bitcoin weisen eine sehr hohe Volatilität auf. Für Trader ist dies das Eldorado, meint Auf-der-Mauer-CEO Alexandre Touihri.
Kryptowährungen wie Bitcoin weisen eine sehr hohe Volatilität auf. Für Trader ist dies das Eldorado, meint Auf-der-Mauer-CEO Alexandre Touihri.
Bild: pixabay.com

"Trete unserem Trading Desk in Zürich bei und lerne von den besten Krypto-Tradern", heisst es in einem Stelleninserat des Unternehmens Auf der Mauer Gruppe auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn. Die Schweizer Krypto-Firma mit Hauptsitz in Baar ZG, gegründet im Jahr 2009, will in Zürich in Partnerschaft mit einem New Yorker Hedgefonds eine Handelsabteilung einrichten, erfährt man im Online-Inserat weiter.

Die Anforderungen sind nicht unbescheiden: Wer sich für die Stelle als "Crypto Trader" bewerben will, braucht einen Universitätsabschluss, muss fliessend Englisch sprechen und sollte die verschiedenen Kryptowährungen und den Kryptowährungsmarkt kennen. So weit, so normal.

Am Ende des Inserats wird der Interessent jedoch noch darauf hingewiesen, dass für die Bewerbung eine Registrierungsgebühr von 100 Franken anfällt, für Studenten sind es 35 Franken. Geld zahlen, damit man sich bei einer Firma bewerben darf - das ist doch eher ungewöhnlich.

"Die Gebühr haben wir erhoben, damit sich nicht jede beliebige Person bewirbt, sondern nur wirklich Interessierte. Es ist eine sehr effiziente Methode, um gute Bewerber herauszufiltern", sagt Alexandre Touihri, CEO von Auf der Mauer, auf Anfrage von cash. Wer nicht die Zeit finde, eine "symbolische Gebühr" zu bezahlen, werde wohl auch nicht die Zeit finden, am mehrteiligen interaktiven Wettbewerb teilzunehmen. Touihri betont zudem, dass die Gebühr bei künftigen "Competitions" nur noch fünf Franken betragen werden.

Wettbewerb mit Preisen - hohe Löhne als Lockmittel

Der Firmenchef nennt dies bewusst "Competition", da das Bewerbungsverfahren als mehrtägiger Trading-Wettkampf aufgebaut ist, wo die besten Trader danach mit einem Job prämiert werden. Zudem winken auch noch verschiedene Preise: Ein Finalist darf etwa einen Monat lang gratis einen Tesla Model S fahren. Die Auf der Mauer Gruppe hat nach eigenen Angaben bereits einen neuntägigen Trading-Wettbewerb durchgeführt, wo von den ursprünglich 250 Bewerbern noch rund 40 teilgenommen hätten. Für Februar ist eine weitere Runde geplant.

Zuletzt beinhaltet das "Crytpo Trader"-Inserat auch vage Angaben zum Gehalt: Die Vergütung ist variabel, ohne Fixlohn. 30 Prozent der erzielten Profite durch den Handel mit Kryptowährungen werden ausbezahlt. Im Beschrieb ist die Rede davon, dass die Top-40-Prozent Trader aus den USA damit ein fünfstelliges Salär verdienen - pro Monat. 

Etwas differenzierter beurteilt ein Headhunter das Vorgehen der Auf der Mauer Gruppe. "Dass man für eine Bewerbung bezahlen muss, ist sehr atypisch und unseriös", sagt der Personalvermittler, der namentlich nicht genannt werden will, im Gespräch mit cash. Und mit dem stark erfolgsabhängigen Lohnmodell ziele die Firma ganz klar nur auf den eigenen Erfolg ab. "Man will günstig Leute reinholen." Dazu sind laut dem Headhunter die Aussagen zu den Löhnen nichtssagend. Man wisse nicht, ob Monatslöhne im fünfstelligen Bereich bei 10'000 Franken oder eher bei 90'000 Franken lägen.

Auf-der-Mauer-CEO Touihri verteidigt sein Salärsystem. Bei Trading-Jobs werde dies häufig so gehandhabt, um entsprechende Anreize zu guten Leistungen zu setzen. Zudem streicht er die momentan optimalen Bedingungen heraus: "Der jetzige Kryptomarkt mit der hohen Volatilität ist das Eldorado für Trader, es herrschen ähnliche Zustände wie in den 1980er-Jahren an den Aktienmärkten", erklärt Touihri. In diesem lukrativen Umfeld sei es nicht nur möglich, er erwarte von seinen Mitarbeitern gar, dass sie fünfstellig im Monat verdienen würden.

Volatil ist der Markt für Kryptowährungen sicher, wenn man ihn auf Tagesbasis betrachtet. Die letzten zwölf Monate zeigten indes ein deutlich abnehmendes Interesse der Anleger für Bitcoin, Ripple, Ethereum und andere Digitalwährungen. Der Bitcoin notiert derzeit bei etwa 3300 Dollar. Das ist der tiefste Wert seit September 2017. Von seinem Rekordstand bei 20'000 Dollar, erreicht Ende 2017, ist der Bitcoin meilenweit entfernt. Alle rund 2000 Digitalwährungen zusammen haben derzeit einen Marktwert von rund 108 Milliarden Dollar. Beim Höhepunkt des Krypto-Booms waren es deutlich mehr als 800 Milliarden Dollar.