«Halten am Roche-Aktienpaket fest»

Derzeit profitiert Novartis von der fehlenden Generika-Konkurrenz bei Diovan, sagt Novartis-Chef Joe Jimenez im Video-Interview. Zudem äussert er sich zum Roche-Aktienpaket und zu den Finanzzielen für 2014 und 2015.
29.01.2014 13:17
Novartis-CEO Joe Jimenez im Video-Interview.
Bild: cash

In die Karten spielt Novartis die unerwartete Verzögerung eines Diovan-Generikums in den USA. Dies spüle dem Basler Pharmariesen jeden Monat zusätzlich 100 Millionen Dollar in die Kassen, sagt Novartis-Chef Joe Jimenez im Video-Interview.

Mit Generika der Diovan Monotherapie in den USA wird neu zu Beginn des zweiten Quartals 2014 gerechnet. Novartis geht davon aus, dass die Einbussen durch Generikakonkurrenz wettgemacht werden, die sich 2014 voraussichtlich auf bis zu 3 Milliarden Franken belaufen werden.

Das Management hält fest, dass sich bereinigt um die Auswirkungen der verzögerten Einführung eines Generikums der Diovan-Monotherapie in den USA am bisherigen Ausblick für 2014 nichts geändert hat.

Die Diskussion über die 33-prozentige Beteiligung von Novartis am Konkurrenten Roche flammte in den letzten Tagen wieder verstärkt auf. Im Markt munkelt man, dass Novartis das Aktienpaket bald abstossen wolle. Doch daraus wird wohl nichts: "Wir halten an dieser Beteiligung fest", so Jimenez. Es handle sich hierbei um ein finanzielles Engagement mit einer strategischen Komponente, ergänzt der Novartis-Chef.

Novartis erfüllt die Erwartungen weitgehend

Mit den ausgewiesenen Zahlen hat Novartis die Markterwartungen grösstenteils getroffen; einzig der Umsatz der Gruppe sowie der Core-EBIT blieben geringfügig hinter den durchschnittlichen Schätzungen zurück.

Der Novartis-Konzernumsatz nahm im Gesamtjahr 2013 um 2% auf 57,9 Mrd USD zu. Zu konstanten Wechselkursen (kWk) wuchsen die Verkäufe um 4%. Die Wechselkurse hatten einen negativen Effekt von 2 Prozentpunkten, die Generikakonkurrenz - vor allem bei Diovan und Zometa/Aclasta - führte zu Umsatzeinbussen von rund 2,2 Mrd. Ohne die Einbussen durch Generikakonkurrenz sei der zugrunde liegende Umsatz bei konstanten Wechselkursen um 8% gewachsen. Die Wachstumsprodukte hätte dabei 18,1 Mrd erwirtschaftet und ihren Anteil am Gesamtumsatz auf 31% von 28% gesteigert.

Das operative Ergebnis verminderte sich um 3% auf 10,9 Mrd, der Reingewinn nahm leicht um 1% auf 9,3 Mrd ab.

Das operative Kernergebnis wird mit 14,5 Mrd USD ausgewiesen (-2%). Zu konstanten Wechselkursen entspricht dies einer Zunahme von 3%. Damit liegt die Zuwachsrate im Rahmen der zuletzt Ende November bestätigten Guidance.

Viertes Quartal durch Währungsverluste belastet

Das Novartis-Management zeigt sich ob der Leistung erfreut: Die Gruppe habe 2013 eine starke Performance erzielt, so CEO Joseph Jimenez. "Wir konnten sowohl den Nettoumsatz als auch das operative Kernergebnis bei konstanten Wechselkursen steigern und den Ablauf von Patenten wettmachen. Unsere Wachstumsprodukte entwickelten sich weiterhin sehr gut. Sie erneuern unser Portfolio und stärken unsere Wachstumsaussichten," wird der Konzernchef in der Medienmitteilung am Dienstag zitiert.

Im vierten Quartal erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 15,1 Mrd USD (+2%). Das operative Ergebnis verringerte sich um 1% (+10% kWk) auf 2,4 Mrd. Mit 11 Prozentpunkten sei der negative Währungseffekt höher als in den vorangegangenen Quartalen ausgefallen, schreibt Novartis. Der Quartalsgewinn verbesserte sich um 2% auf 2,1 Mrd.

Dividende deutlich erhöht

Novartis schlägt den Aktionären für das Berichtsjahr die Ausschüttung einer auf 2,45 CHF von 2,30 CHF erhöhten Dividende vor. Damit fällt die Zunahme kräftiger aus als von verschiedenen Analysten im Vorfeld erwartet.

Der Umsatz im Hauptgeschäft Pharma blieb im Gesamtjahr mit 32,2 Mrd stabil (+3% zu kWk). Kräftige Volumensteigerungen (+9 Prozentpunkte) und höhere Preise (+1 Prozentpunkt) hätten die Einbussen durch Generikakonkurrenz (2,2 Mrd, -7 Prozentpunkte) mehr als wettgemacht. Das operative Ergebnis verminderte sich um 2% auf 9,4 Mrd (+3% kWk). Die entsprechende Marge ging damit auf 29,1% von 29,9% zurück. Die Division profitierte vom bisher ausgebliebenen Markteintritt generischer Konkurrenzprodukte für die Diovan-Monotherapie in den USA.

Die Augenheil-Division Alcon steigerte ihren Gesamtjahresumsatz um 3% auf 10,5 Mrd USD. Das operative Ergebnis von Alcon betrug 1,2 Mrd (-16%, -2% kWk), wobei Integrations- und Restrukturierungskosten durch das Umsatzwachstum und Produktivitätssteigerungen teilweise wettgemacht wurden.

Die drei kleineren Divisionen Sandoz, Vaccines und Diagnostics sowie Consumer Health vermochten ihre Umsätze allesamt zu steigern.

Ausblick leicht gesenkt

Als Folge der später als ursprünglich einsetzenden Konkurrenz für Diovan in den USA passt das Novartis-Management die bisherige Umsatz-Guidance für das laufende Jahr leicht nach unten an. Neu geht die Konzernleitung für das laufende Jahr von einer Steigerung des Konzern-Nettoumsatzes im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich (kWk) aus. Bislang wurde eine Zunahme mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet.

Weiterhin erwartet Novartis, dass das operative Kernergebnis des Konzerns 2014 stärker steigen wird als der Umsatz zu konstanten Wechselkursen.

Für die Division Pharmaceuticals geht Novartis für 2014 von einer Umsatz-Stagnation aus; erwartet werden Nettoumsätze (kWk) "auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2013". Wachstum sollen die Divisionen Alcon und Sandoz bringen. Für beide Divisionen erwartet Novartis ein Wachstum des Nettoumsatzes "im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich".

Im Video-Interview äussert sich Joe Jimenez zum Stand des Produkteportfolios und zu den Finanzzielen für 2015. 

(AWP/cash)