Hedgefonds-Kollaps - Möglicher Verlust wegen Hedgefonds-Kollaps: Credit Suisse tritt ins nächste Fettnäpfchen

Nach der Greensill-Affäre tritt die Credit Suisse gleich ins nächste finanzielle Fettnäpfen. Der Grossbank erwartet Verluste wegen eines Hedgefonds-Kollapses. Die Aktie bricht ein.
29.03.2021 11:13
Von Lorenz Burkhalter
Schriftzug und dekorative Fassadendetails am dem Dach des Credit-Suisse-Hauptsitzes in Zürich.
Schriftzug und dekorative Fassadendetails am dem Dach des Credit-Suisse-Hauptsitzes in Zürich.
Bild: imago images / Andreas Haas

Eine neue Woche, und ein neues finanzielles Fettnäpfchen, in das die Credit Suisse tritt. In einer Medienmitteilung warnt die Grossbank am frühen Montagmorgen vor möglichen Verlusten im Zusammenhang mit dem Kollaps eines grossen US-Hedgefonds.

Noch lässt sich die genaue Höhe des Verlustes nicht in Zahlen fassen. Das Unternehmen selber schliesst jedenfalls "einen sehr bedeutenden Einfluss auf die Ergebnisentwicklung" nicht aus.

Die Aktie der Credit Suisse taucht zur Stunde um fast 14 Prozent.

Die Credit Suisse nannte den US-Hedgefonds nicht. Zuvor hatte Nomura auch vor einem “erheblichen” potenziellen Verlust durch einen nicht genannten US-Kunden gewarnt. In Nomuras Fall bezog sich dies auf die Abwicklung von Geschäften durch das Archegos Capital Management von Bill Hwang, so mit der Angelegenheit vertrauten Personen laut Bloomberg. Nicht bestätigten Berichten zufolge müssen noch immer Anlagen des Hedgefonds in Höhe von 22 bis 30 Milliarden Dollar "rückabgewickelt" werden.

Kritik am Credit-Suisse-Chef wird laut

Die Aktie war zuvor schon im Zuge der Greensill-Affäre innerhalb weniger Wochen vom Jahreshoch bei 13,50 Franken aus auf zuletzt 12,50 Franken zurückgefallen. Aufgrund der Affäre musste die Grossbank vier Fonds schliessen und wickelt diese nun ab. Auch daraus könnten ihr noch nicht genau bezifferbare Kosten entstehen.

Diese Häufung unliebsamer Neuigkeiten lässt zunehmend auch Kritik an Firmenchef Thomas Gottstein lautwerden. Die Kritik gilt vor allem dem Risiko-Management der Grossbank. Gottstein trat Mitte Februar 2020 die Nachfolge von Tidjane Thiam an. Im Schlussquartal letzten Jahres strich die Credit Suisse unter dem neuen Firmenchef einen Reinverlust in Höhe von 353 Millionen Franken ein. Schuld waren Rückstellungen für Rechtskosten sowie Wertberichtigungen.

Wie die Zürcher Kantonalbank festhält, kommt nach der Greensill-Affäre mit noch ungeklärtem Verlustpotenzial nun auch noch diese Hedgefonds-Sache hinzu. Sie zitiert in diesem Zusammenhang den alten Spruch, wonach die Bank erst kein Glück hatte und dann auch noch Pech dazu kam. Angesichts der ganzen Sonderereignisse, welche das ansonsten starke Kerngeschäft überschatten, drängt sich ein Engagement in der Aktie der Credit Suisse ihres Erachtens nicht auf. Die Zürcher Kantonalbank bleibt bei "Marktgewichten".

Kosten von bis zu 4 Milliarden Dollar?

Vontobel zufolge sind neben Nomura und der Credit Suisse weitere Banken betroffen, darunter etwa Goldman Sachs, Morgan Stanley, Deutsche Bank und die UBS. Die Zürcher Bank verweist darauf, dass Nomura mit Verlusten in Höhe von rund 2 Milliarden Dollar rechnet. Die Credit Suisse selber macht hingegen noch keine Angaben. Vontobel stuft die Credit-Suisse-Aktie vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 12 Franken ein.

Die Financial Times berichtet mittlerweile von möglichen Verlusten für die Schweizer Grossbank von 3 bis 4 Milliarden Dollar.