Gemäss Daten der «Depository Trust and Clearing» war die Zahl der Spekulationsgeschäfte, die auf einen Kursrückgang der Gemeinschaftswährung Euro setzten, in den vergangenen zwei Tagen mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der Geschäfte, die auf einen Anstieg des Euros abzielten.

«Wir haben eine gestiegene Nachfrage nach Euro-Put-Optionen sowohl von Hedgefonds als auch von institutionellen Anlegern verzeichnet», sagte Julian Weiss, Leiter des Handels mit Devisenoptionen der G10-Staaten bei der Bank of America in London.

Am Donnerstag fiel die Einheitswährung auf 1,1287 Dollar – den niedrigsten Stand seit Mai 2025. Dies folgte auf einen Rückgang von 2,5 Prozent gegenüber dem Dollar im September, dem schlechtesten Monat seit Juli 2025. Belastet wird der Kurs durch Sorgen über den kommenden französischen Haushalt, während gleichzeitig die Aussicht auf Zinserhöhungen in den USA die Nachfrage nach dem Dollar ankurbelt.

Der Handel mit dem Euro sei «in den vergangenen Handelstagen definitiv eine der bevorzugten Möglichkeiten gewesen, auf die erneute Stärke des Dollars zu setzen», sagte Thomas Bureau, weltweiter Leiter des Handels mit Devisenoptionen bei der Société Générale.

Diese Marktbewegungen erfolgen im Vorfeld der für Donnerstag geplanten Vorstellung des französischen Haushalts für 2027. Dies dürfte eine politische Debatte auslösen, die das Potenzial hat, den Premierminister zu Fall zu bringen und die Sorgen um die Staatsfinanzen zu verstärken. Frankreich plant für das kommende Jahr die Emission von Anleihen in Rekordhöhe, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren und fällig werdende Schulden zu refinanzieren.

Angesichts der im nächsten Jahr anstehenden französischen Präsidentschaftswahl sind die Investoren bereits nervös, da die Oppositionsparteien signalisiert haben, dass sie zu keinen Kompromissen mit Präsident Emmanuel Macron bereit sind.

Am Optionsmarkt steigt die Nachfrage nach Wetten gegen den Euro - sowohl für den kurzfristigen Bereich als auch mit Laufzeiten bis Mitte 2027. Damit werde auch die potenzielle Volatilität während des europäischen Wahlzyklus im kommenden Jahr abgedeckt, so Weiss von der Bank of America.

Dies spiegelt den Ausverkauf und die starken Schwankungen an den Anleihemärkten der Region wider, wo ein Indikator für das französische Länderrisiko auf den höchsten Stand seit der Schuldenkrise im Euroraum im Jahr 2012 gestiegen ist. Anleihen leiden unter den inflationären Auswirkungen der stark gestiegenen Energiepreise, die durch den anhaltenden Konflikt im Nahen Osten verursacht werden.

«Angesichts der Spannungen an den Zinsmärkten sowie der europäischen Energieabhängigkeit war das Währungspaar Euro-Dollar die bevorzugte Long-Position auf den Dollar im G‑10‑Raum», sagte Weiss.

Hedgefonds konzentrieren sich laut Bureau von der Société Générale primär auf Wetten mit einer Laufzeit von einem Monat, die die nächsten Sitzungen der Europäischen Zentralbank und der Federal Reserve abdecken; einige setzen jedoch auch auf Zeiträume von bis zu einem Jahr, um Preisverzerrungen zu nutzen. Diese Bandbreite an Zeithorizonten sei bemerkenswert, so Bureau.

Die treibenden Kräfte hinter diesen Bewegungen seien «eine Neubewertung der Fed-Politik in Richtung einer strafferen Geldpolitik - eine Entwicklung, der der Euro-Dollar-Kurs zuvor hinterhergehinkt war - sowie die Ausweitung der Spreads bei französischen Anleiherenditen und die Verschlechterung der Terms of Trade», erklärte Meera Chandan, Co-Leiterin der globalen Devisenstrategie-Analyse bei JPMorgan Chase in London.

Die steigenden Anleiherenditen dürften das Wirtschaftswachstum bremsen und die Inflation dämpfen, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde diese Woche, was den Druck auf den Euro weiter erhöht.

Der Euro dürfte weiterhin «als Kollateralschaden globaler geopolitischer Risiken gehandelt werden, die den Stagflationsdruck in der Eurozone verstärken und die Attraktivität von auf Euro lautenden Vermögenswerten untergraben», sagte Valentin Marinov, Leiter der G-10-Devisenanalyse und -strategie bei Crédit Agricole.

(Bloomberg/cash)