«Wir sehen zarte Pflänzchen der Erholung im Bausektor im dritten Quartal», sagte Vorstandschef Dominik von Achten der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Die Investitionen aus dem staatlichen Infrastrukturpaket in Deutschland im Volumen von 500 Milliarden Euro kämen in den Bereichen Infrastruktur, Energie und Rechenzentren langsam in Gang. Zudem seien die Genehmigungsanträge im Bau in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich gestiegen. «Es gibt eine Pipeline von Projekten, die im Grunde ausführungsreif sind und jetzt kommen müssten», erklärte von Achten. «Da ist ein gewisser Rückstau.»
Die Energiekosten für Strom und Öl bewegten sich jedoch weiterhin auf einem hohen Niveau. «Die Kurve von steigenden Energiepreisen hat sich abgeflacht, aber sie geht nach wie vor in die falsche Richtung», sagte der Manager. Der Konzern profitiere zwar derzeit noch teilweise von einer längerfristigen Absicherungsstrategie für Strom und Erdgas mit Laufzeiten von drei bis vier Jahren, die während der Energiekrise infolge des Ukraine-Kriegs eingeführt wurde. Dennoch müsse das Unternehmen die Kosten weiter senken. Dies könne auch die Schliessung älterer Klinkerwerke in Europa beinhalten, die hohe Fixkosten und CO2-Emissionen verursachten.
«Wenn wir hier dann die ältesten Werke schliessen, haben wir eine völlig neue Kostenbasis, mit der wir in Zukunft operieren können», betonte von Achten. Die höheren Kosten versuche der Konzern an die Kunden weiterzugeben. Die Zahlen zur Geschäftsentwicklung im dritten Quartal legt der Dax-Konzern am 4. November vor.
Zur Kostensenkung setzt Heidelberg Materials zudem auf Automatisierung. In einem Steinbruch in Nordamerika lässt das Unternehmen sieben grosse Fahrzeuge komplett autonom fahren; dieses Projekt soll nun weltweit ausgerollt werden. Als Massstab für technologische Geschwindigkeit sieht von Achten China: «Wenn man beispielsweise mit Chinesen zum Thema Schnelligkeit und Affinität in Sachen Technologie spricht, ist das ein ganz anderes Level. Daran sollten und müssen wir uns ein Beispiel nehmen.» Grosses Potenzial verspricht sich von Achten vom Geschäft mit Betreibern grosser Rechenzentren, die wegen ihres Ressourcenverbrauchs unter Druck stünden und deshalb Interesse hätten am CO2-armen Zement, den der Baustoffriese anbietet.
Heidelberg Materials sieht sich als Vorreiter der Produktion von klimafreundlicherem CO2-neutralen Zement. Das Klimagas wird dafür abgeschieden und eingelagert - das Verfahren nennt sich CCS (Carbon Capture and Storage). Nach Fortschritten mit Projekten in Norwegen und Grossbritannien gibt es bei einem Leuchtturmprojekt im deutschen Zementwerk Geseke allerdings einen Rückschlag. Heidelberg Materials legt das Projekt auf Eis, weil es sich mangels Transport- und Lagermöglichkeiten nicht wirtschaftlich realisieren lässt.
(Reuters)

