Hersteller von TextilmaschinenRieter verpasst Prognosen um Längen

Der Spinnereimaschinen-Hersteller Rieter hat deutlich mehr Bestellungen an Land gezogen als im Vorjahr, damit aber die Erwartungen der Analysten um Längen verfehlt. Ausserdem gibt Rieter eine Umstrukturierung bekannt.
01.02.2017 08:13
Rieter verlagert 220 Stellen von Deutschland nach Tschechien.
Rieter verlagert 220 Stellen von Deutschland nach Tschechien.
Bild: cash

Der Auftragseingang nahm um 13% auf 905,2 Mio CHF zu, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilt. Nachdem das erste Halbjahr von einer starken Nachfrage geprägt gewesen sei, sei die Dynamik in den einzelnen Ländern und Produktkategorien im zweiten Semester uneinheitlich gewesen, räumt das Management gleichzeitig ein.

Das Jahr 2016 klang denn auch verhalten aus. Im vierten Quartal gingen Bestellungen im Wert von nur noch knapp 190 Mio CHF ein (VJ 215 Mio). Die geringere Nachfrage insbesondere im Neumaschinengeschäft im zweiten Halbjahr sei auf zunehmende politische Unwägbarkeiten in den Hauptmärkten Türkei und Indien zurückzuführen gewesen, schreibt das Unternehmen dazu.

Mit dem Bestellungseingang hat Rieter die Erwartungen der Analysten um Längen verfehlt. Diese hatten im Schnitt (AWP-Konsens) für das Gesamtjahr einen Bestellungseingang von 950 Mio CHF und für das vierte Quartal von rund 232 Mio CHF erwartet.

Der Umsatz nahm derweil im Gesamtjahr um 9% auf 945 Mio CHF ab, wie es weiter heisst. Damit wurden die Analystenschätzungen (939 Mio CHF) leicht übertroffen.

Mit den Umsatz- und Bestellungszahlen gibt Rieter zudem einen Ausblick auf die Gewinnentwicklung, wobei frühere Prognosen präzisiert werden. Neu wird eine EBIT-Marge von 6% (bisher: 5-6%) und eine Reingewinn-Marge von 4,5% (bisher: rund 3,5-4,5%) in Aussicht gestellt. Die genauen Zahlen werden am 14. März publiziert.

Restrukturierung in Ingoldstadt

Ausserdem gibt Rieter eine Umstrukturierung bekannt. Demnach soll sich der Standort Ingolstadt künftig auf die Entwicklung von Maschinen und die Unterstützung des After-Sales-Geschäfts fokussieren. Die Produktion soll hingegen an den Rieter-Standort Usti in der Tschechischen Republik verlagert werden.

Dadurch würden voraussichtlich 220 der 360 Stellen in Ingoldstadt wegfallen, heisst es weiter. Das Management erhofft sich nach Abschluss der Massnahmen ab 2019 eine Kosteneinsparung von 15 bis 20 Mio. Über die nächsten zwei Jahre werde jedoch zunächst "ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag an Einmalaufwendungen" notwendig sein.

In der Geschäftsleitung von Rieter kommt es zudem zu einem Wechsel: Serge Entleitner übernimmt von Werner Strasser, der in den Ruhestand geht, per 6. April die Leitung des Geschäftsbereichs Components.

(AWP)