Hier spricht der Temporär-Chef von Swisscom

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach den tragischen Ereignissen bei Swisscom äussert sich der interimistische Swisscom-CEO Urs Schäppi im Video-Interview zur Strategie der Firma und zu den Halbjahreszahlen.
07.08.2013 14:32
Von Pascal Meisser
Interimschef Urs Schaeppi äussert sich im Video-Interview zu den Halbjahreszahlen.
Bild: cash

Zwei Wochen nach dem Freitod des ehemaligen CEO Carsten Schloter ist beim Telekommunikationsriesen Swisscom der erste Schock überwunden - zumindest gegen aussen. "Wir mussten zuerst fassen, was passiert ist. Nun schauen wir wieder vorwärts und sind zuversichtlich, dass wir das Erbe von Carsten Schloter gut in die Zukunft führen", sagt Interims-Nachfolger Urs Schaeppi im Video-Interview.

Zurückhaltend zeigt sich Schaeppi beim Thema der definitiven Nachfolgeregelung. Auf die Frage hin, ob sich Schaeppi als Kandidat für den zeitlich unbefristeten Konzernchef-Posten sieht, sagt er nur: "Der Verwaltungsrat hat sich für eine Ad-interim-Lösung entschieden. Jetzt ist das Rekrutierungsgremium gestartet worden, das den Nachfolger bis Ende Jahr bekannt gibt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen", so Schaeppi.

Der 53-Jährige gehört gemäss Branchenkennern zu den Top-Anwärtern auf das CEO-Amt bei Swisscom. Weitere Namen, die als mögliche Schloter-Nachfolger gehandelt werden, sind Christoph Brand und Thomas Sieber. Der ehemalige Bluewin-Chef Brand gehörte bereits früher zur Swisscom-Konzernleitung, bevor er 2006 die Leitung von Sunrise übernahm. Heute ist Brand Leiter Digital beim Medienhaus Tamedia. Sieber ist Verwaltungsratspräsident von Orange und ehemaliger CEO des drittgrössten Telekom-Anbieters der Schweiz. Beide wollten sich bisher zu den personellen Spekulationen nicht äussern.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit seiner Ernennung zum interimistischen CEO am 23. Juli beurteilt Schaeppi den Halbjahresabschluss als solide. "Wir haben ein starkes Kundenwachstum. Auf der anderen Seite leiden wir unter dem Preiszerfall. Das hat im ersten Semester zu einem leichten Margenrückgang geführt", sagt Schaeppi. Das spiegelte sich auch im deutlich tiefer ausgefallenen Reingewinn wieder. Dieser war um fast 10 Prozent auf 819 Millionen Franken gefallen.

Hohe Preiserosion

Schaeppi beziffert die Preiserosion im ersten Halbjahr auf 200 Millionen Franken. Hinzu kommen Senkungen beim Roaming von 90 Millionen Franken - also insgesamt 290 Millionen Franken. Davon kompensierte Swisscom rund 260 Millionen Franken mit Kunden- und Mengenwachstum.

Gleichzeitig gewann der Konzern alleine im zweiten Quartal  mit Fernsehangeboten 42'000 Kunden, beim Mobilfunk 37'000 und bei Fastweb 26'000. Immer wichtiger werden die Bündelangebote, die verglichen mit dem Vorjahr in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres einen Umsatz von 725 Millionen Franken erzielten, gut 38 Prozent mehr als im Vorjahr.

Schaeppi bestätigt im Video-Interview den Ausblick für das zweite Semester. "Bei der Marge werden wir bis Dezember wieder stärker sein", sagt er.  Die Umsatzprognose wurde hingegen wegen Firmenkäufen im bisherigen Jahresverlauf leicht angehoben. Neu will Swisscom einen Jahresumsatz von 11,4 Milliarden erzielen. Bis dato war man von 11,3 Milliarden Franken ausgegangen. Der Betriebsgewinn wird bei mindestens 4,25 Milliarden Franken gesehen.

Im Video-Interview äussert sich Schaeppi zudem zu den hängigen Verfahren bei der Wettbewerbskommission, die von der Konkurrenz angeregt wurde.