Das gebündelte Nordamerika-Geschäft abzuspalten, in den USA als Amrize zu listen und dort von den höheren Bewertungen zu profitieren, war Jan Jenischs Plan. Aufgegangen ist er bis jetzt nicht.
Die Amrize-Aktie hat mit dem gesamten US-Bausektor gelitten. Holcim wiederum gehört unter den europäischen Baustoffkonzernen zu den Titeln mit der stärksten Performance. Holcim-CEO Miljan Gutovic lieferte Quartal für Quartal überzeugende Resultate, die leicht über den Erwartungen lagen. Sogar die Jahresprognose wurde leicht angehoben.
Amrize, von Jan Jenisch in Doppelfunktion als Konzernchef und Präsident des Verwaltungsrats geführt, hat mit den Ergebnissen und dem Ausblick laut Hüsler «eher enttäuscht». Das Unternehmen sei ein bisschen verhaltener unterwegs, als man sich das vor einem Jahr vorgestellt habe. Jenisch liegt laut Hüsler hinter seinem eigenen mittelfristigen Fahrplan zurück.
«Bei der Abspaltung dachte man, Amrize sei das dynamischere Unternehmen. Doch Holcim hat sich bislang schneller entwickelt und den Markt positiv überrascht», so Vontobel-Analyst Mark Diethelm. Bei Holcim habe der Markt entdeckt, dass das Südamerika-Geschäft gut läuft und die profitabelste Region ist. Auch Deutschland kehre nach Jahren allmählich wieder als Wachstumstreiber zurück.
Holcim hat Preissetzungsmacht
Anders als Amrize profitiert Holcim davon, dass die Themen CO₂ und saubere Energie in Europa wichtig sind, und hat dadurch grössere Preissetzungsmacht. Amrize fällt es zurzeit schwerer, die Zementpreise zu erhöhen, um die extrem gestiegenen Transportpreise (plus 100 bis 200 Prozent) zu absorbieren.
Amrize kämpft in den USA vor allem gegen das hohe Zinsniveau. Weil Fremdkapital teuer ist, werden Investitionen hinausgeschoben. So schwächelt die Nachfrage im Residential-Bereich. «Anders als wohl auch vom Markt erwartet, ist die Trump-Administration nicht so sehr an einer Hilfe für den Bausektor interessiert», sagt Diethelm.
Die Chancen, dass Jenischs Plan noch aufgeht, sind intakt. «Amrize ist einer der billigsten Bautitel in den USA und auf diesem Niveau interessant», so Diethelm. Sinken die Zinsen, sorgt das für zusätzlichen Rückenwind.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Bilanz hier.

