Die Preise für Eigentumswohnungen zogen im dritten Quartal um 0,3 Prozent im Vergleich ‌zum Vorjahreszeitraum ⁠an, wie aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorab vorlag. Ein- und Zweifamilienhäuser verteuerten sich ⁠um 0,4 Prozent. «Seit 2023 bewegen sich die Kaufpreise damit weitgehend seitwärts», lautet das Fazit des IW. «Gegenüber dem Höchststand von 2022 liegen sie gut zehn Prozent niedriger.»

Noch Anfang dieses Jahres hatte es ‌dem IW zufolge danach ausgesehen, dass sich die Dynamik bei Angebotsmieten und Kaufpreisen bei einer jährlichen Steigerung um ‌drei bis vier Prozent angleicht. «Mittlerweile muss man jedoch davon ausgehen, dass die Kaufpreise ​eher stagnieren oder sinken, die Angebotsmieten dagegen umso stärker steigen», betonten die Forscher. «Ursächlich hierfür ist die jüngste Zinsentwicklung.» Sie dämpfe die Nachfrage nach Kaufobjekten. Dadurch verlagere sich die Nachfrage in das Mietsegment.

«Aufgrund der höheren Finanzierungskosten sinkt die Nachfrage nach Kaufobjekten, weshalb die Preise im Wesentlichen stagnieren», erklären die beiden Studienautoren Pekka Sagner und Michael Voigtländer. Seit Anfang 2026 sind demnach die Renditen von Pfandbriefen bei zehnjähriger Zinsbindung um fast 0,7 Prozentpunkte gestiegen, bei kurzen Laufzeiten um mehr als ‌1,0 Prozentpunkte. «Ausschlaggebend sind gestiegene Inflationserwartungen, aber auch zunehmende Zweifel an der Tragfähigkeit staatlicher Schulden, vor allem in den USA und Frankreich», teilen die Autoren mit. Die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen liegen dem Vermittler Interhyp zufolge aktuell bei rund 4,4 Prozent.

«Verschärfte Krise»

Im Neubau dürften die Fertigstellungen weiter sinken, sagt das IW voraus. Grund dafür sei eine ​geringere Nachfrage, während zugleich die Baukosten wegen des hohen Energieeinsatzes zulegen. «Zinsen und Baukosten steigen damit zugleich, was die Wohnungsbaukrise ​verschärft», betonen Sagner und Voigtländer. Bei einem Kredit von 300.000 Euro und einer Tilgung von ​zwei Prozent hätten Haushalte zu Jahresbeginn rund 1450 Euro monatlich zahlen müssen, nun seien es mit 1600 Euro gut zehn Prozent mehr.

Die Entwicklung der Kaufpreise fällt in den Regionen sehr unterschiedlich aus. ‌In den sieben grössten Städten sind etwa die Kaufpreise für Eigentumswohnungen um 0,8 Prozent gefallen, während sie in den übrigen Grossstädten sowie in deren Umland um jeweils 1,2 Prozent stiegen. Am stärksten zogen die Kaufpreise in Essen mit 3,5 Prozent an, gefolgt von Dortmund mit 2,0 Prozent und Hamburg mit 1,8 Prozent. Demgegenüber ​stehen Rückgänge in ​Stuttgart von 3,9 Prozent, in Berlin von 2,0 Prozent, in Köln von ⁠1,3 Prozent, in Leipzig von 1,0 Prozent und in München von 0,7 Prozent.

Hamburg mir stärkstem Mietanstieg

Dagegen ziehen die Mieten stärker an. ⁠Bundesweit legten sie im dritten Quartal um 4,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum zu. Hier verzeichnete Hamburg mit 6,8 Prozent den stärksten Anstieg, gefolgt von Köln mit 5,3 ‌Prozent und Essen mit 4,9 Prozent. Seit 2022 sind die Mieten dem IW zufolge in Berlin mit 29,5 Prozent am stärksten gestiegen, in Stuttgart mit 16,7 Prozent am schwächsten. «Hohe Zinsen lenken zahlungskräftige Haushalte in den Mietmarkt», teilt das IW mit, das vorerst keine ‌Entspannung erwartet. «Steigende Baukosten dürften den Neubau bremsen und damit die Mieten treiben.»

Wegen der zunehmend schwierigen Lage auf dem Wohnungsmarkt hält ​das IW ein staatliches Gegensteuern für wichtig. «Solche Gegenmassnahmen erfordern dabei nicht zwangsläufig ein hohes finanzielles Engagement des Staates», hiess es. Das Beispiel Italien etwa zeige, dass Garantien oder Bürgschaften ein starkes Instrument sein könnten, um Haushalten den Zugang zu Wohneigentum zu erleichtern. «Auch Bürgschaften für Projektentwickler könnten helfen, den Neubau anzukurbeln», so das Institut. Das wäre mit einem ‌geringen Mitteleinsatz verbunden, aber dennoch ein wirksames Instrument ​zur Stärkung des Wohnungsmarktes.

(Reuters)