Holcim-Aktionäre erlauben Fusion mit Lafarge

Holcim-Aktionäre genehmigen überraschend deutlich die Kapitalerhöhung der Zementfirma und damit die Fusion mit der französischen Lafarge. cash berichtete von der Holcim-Generalversammlung in Zürich Oerlikon.
08.05.2015 12:26
Von Daniel Hügli, Zürich Oerlikon
Bei Holcim geht es heute "um die Wurst".
Bei Holcim geht es heute "um die Wurst".
Bild: Bloomberg

+++ 12:25 Die GV ist nun zu Ende. Die ganz klare Zustimmung der Holcim-Aktionäre zur Fusion mit Lafarge ist sicher eine deftige Überraschung. 

 

+++ 12:22 Die Aktionäre winken nun auch die Wahl der neuen VR-Mitglieder durch. Die Zustimmungsraten sind liegen alle bei über 90 Prozent, also alles ziemlich "sowjetische" Abstimmunsgszahlen.

 

+++ 11:59 Die Luft ist jetzt raus, die Spannung weg, die eigentlich gar nie richtig da war. Aktionäre genehmigen auch die Namensänderung von Holcim zu LafargeHolcim, obwohl sich der bekannte Kleinaktionär und Firmenschreck Hermann Struchen (85) dagegen wehrt. Seiner Meinung nach müsste der Name Holcim vor Lafarge stehen, das "H" komme im Alphabet ja auch vor dem "L". Macht irgendwie Sinn...

 

+++ 11:45 Auch VR-Präsident Reitzle ist sichtlich überrascht über den klaren Ausgang der Abstimmung. Er hebt den rechten Daumen hoch und sagt anschliessend: "Ich muss zugeben, ich bin jetzt ein wenig ergriffen".

 

+++ 11:44 Mit eine nicht erwartet deutlichen Ja-Stimmen-Anteil von 93,74 Prozent ist die Kapitalerhöhung genehmigt. Die Fusion von Holcim und Lafarge ist damit so gut wie gesichert. 

 

+++ 11:42 Es wird über die Aktienkapitalerhöhung abgestimmt, damit die Lafarge-Aktien in HolcimLafarge-Aktien umgetauscht werden können.

 

+++ 11:36 Jetzt gehts zu den Abstimmungen: Es sind 736 Aktionäre da, welche 72 der ausgegebenen Aktien repräsentieren.

 

+++ 11:20 Holcim-VR-Präsident Reitzle betont in einer Antwort an einen Aktionär nochmals, dass es beim Zusammenschluss um einen "Merger among Equals" handle, also um einen Zusammenschluss unter Gleichen. Dieser Ausdruck ist ja sehr umstritten. Oft werden "Merger among Equals" als Übernahmen getarnt. Gleich zu Beginn, oder dann im Lauf der Jahre, ist immer ein Unternehmen das stärkere. Siehe dazu den Kommentar des Schreibenden aus dem letzten Jahr.

 

+++ 11:10 Nach dem Anfangsfurioso mit den bedeutenden Aktionären sind nun die so genannten Kleinanleger an der Reihe. Auch sie lehnen erwartungsgemäss den Merger ab.

 

+++ 10:58 Jetzt wirds zum ersten Mal leicht gehässig. Als Holcim-VR-Präsident Reitzle wieder das Wort ergreift und zu Actares-Meyer sagt, er habe ja keine Fragen gestellt, wird er mit lauten Zwischenrufen aus dem Publikum unterbrochen. Reitzle bemerkt seinen Faux-Pas und findet "den Rank" wieder.

 

+++ 10:55 Rudolf Meyer von der Aktionärsvereinigung Actares, welche die Fusion ebenfalls ablehnt, ergreift das Wort. Auch er zweifelt am langfristigen Mehrwert für Aktionäre nach einer Fusion. "Und ob diese überhaupt gelingt, ist eine andere Frage." Meyer stellt primär Bedenken aus Arbeitnehmersicht, Nachhaltigkeit und Umwelt nach der Fusion in den Mittelpunkt seiner Rede. Aber leicht resignierend stellt er jetzt schon fest: "Ich mache mir keine Illusionen: Die Fusion wird sehr wahrscheinlich trotzdem zustande gekommen." Meyer nimmt die Firmenverantwortlichen daher schon jetzt in die Pflicht und appelliert an das Verantwortungsgefühl.

 

+++ 10:44 Nun wirds kritisch: Der künftige Ethos-Geschäftsführer Vincent Kaufmann (der Nachfolger von Dominik Biedermann)  bezeichnet die geplante Fusion als "inakzeptabel". Die Geschichte habe gezeigt, dass ein Zusammenschluss von zwei Unternehmen dieser Grösse zu Wertzerstörung für die Aktionäre führe. Ein grosses Problem sei auch die Zusammenführung von zwei verschiedenen Unternehmenskulturen.

 

+++ 10:42 Schmidheiny redet bloss etwa vier Minuten. Er stellt sich bedingungslos hinter den Merger. Der Entscheid sei nicht mit "leichtem Herzen und auch nicht leichtfertig" gefallen. Aber er sei eine logische Fortsetzung des Engagements der Familie Schmidheiny für Holcim. Schmidheiny wird mit Applaus verabschiedet.

 

+++ 10:38 Jetzt kommen die Aktionäre zu Wort. Den Anfang macht Holcim-Grossaktionär Thomas Schmidheiny.

 

+++ 10:28 Nun spricht Lafarge-CEO Bruno Lafont, der sich mit Reitzle das VR-Präsidium teilen würde. Er wirbt ebenfalls für den Zusammenschluss, versteht aber die Ängste viele Holcim-Aktionäre. Lafont bringt ABB als Beispiel eines grossen Zusammenschlusses, der gut klappte. Lafont spricht sehr gutes Deutsch und bringt seine Zweisprachigkeit nun auch als Asset für den Zusammenschluss ein. Lafont redet nur sieben Minuten.

 

+++ 10:22 Die Reitzle-Werbebotschaft für den Merger geht weiter: "Wir sehen Diversity als Chance, nicht als Problem". Er nennt das neue Unternehmen als "global player" mit Schweizer Basis.

 

+++ 10:12 Reitzle wirbt in seiner Eröffnungsrede für den Zusammenschluss der beiden Firmen. Er führt den Aktionären einen Chart der Aktienkurse von Holcim und Lafarge der letzten zehn Jahre vor. Die Performance sieht bekanntermassen mager aus. "Da wurde kein Wert geschaffen", ruft Reitzle den Aktionären zu. Reitzle wird übrigens Co-Verwaltungsratspräsident von LafargeHolcim, falls der Zusammenschluss klappt.

 

+++ 10:00 Holcim-Verwaltungsratspräsident Wolfgang Reitzle begrüsst die anwesenden Aktionäre zur "historischen Generlaversammlung". Er wertet das schöne Wetter als "gutes "Zeichen".

 

Was man wissen muss:

Die Hochzeit der beiden Zementriesen Holcim und Lafarge ist auf der Zielgeraden. An einer ausserordentlichen Generalversammlung von Holcim in Zürich-Oerlikon benötigt der Zusammenschluss eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Die Chancen dafür stehen gut. Denn mit einigem Zögern haben in den letzten Wochen nebst Holcim-Grossaktionär Thomas Schmidheiny andere Grossaktionäre dem schweizerisch-französischen Zusammenschluss ihre Zustimmung gegeben, allen voran der der russische Oligarch Filaret Iljitsch Galtchev.

Die Befürworter der Fusion kommen auf etwa 40 Prozent. Das müsste reichen. Abgestimmt wird am Freitag übrigens nicht direkt über die Fusion, sondern über eine Aktienkapitalerhöhung, damit die Lafarge-Aktien in HolcimLafarge-Aktien umgetauscht werden können. Lafarge-Aktionäre stimmen im Juni separat über den Zusammenschluss ab. Das gilt als Formsache.

Mit der Unterstützung Galtchev, der 10,82 Prozent an Holcim hält, sowie dem grössten Aktionär, Thomas Schmidheiny, der 20,11 Prozent besitzt, sind die Chancen nun hoch, dass die Holcim-Aktionäre die Transaktion durchwinken werden.

Zusätzlich wird über eine zweite Kapitalerhöhung in Höhe von 59,13 Mio. Fr. befunden, um Bonusaktien für die LafargeHolcim-Aktionäre zu schaffen. Die Aktionäre sollen pro 20 Anteile eine Gratisaktie zugeteilt erhalten.

Daneben sollen die Holcim-Aktionäre auch noch einer Statutenrevision zustimmen und sieben neue Verwaltungsratsmitglieder von Lafarge ins Aufsichtsgremium wählen. Die Zahl der Verwaltungsräte steigt damit von 9 auf 14.

Sollten all diese Anträge angenommen werden, kann Holcim Anfang Juni ein öffentliches Kaufangebot an die Lafarge-Aktionäre starten. Dabei sollen die Lafarge-Aktionäre für zehn eigene Titel neun LafargeHolcim-Aktien erhalten.

Gegen die Fusion ausgesprochen haben sich die Aktionäre, die sich in der Gruppe "Pro Holcim" zusammengeschlossen haben. Die Gruppe ist der Meinung, dass Holcim in einigen Jahren alleine deutlich besser dastehen wird als bei einem Zusammengehen mit dem französischen Konkurrenten.

Davon ist auch Ethos überzeugt. Die Genfer Anlagestiftung sieht die Fusion zudem als Gefahr für die Beschäftigten. Ausgehend vom genannten Synergiepotential von 250 Mio. Fr. bei den Vertriebs-, Verwaltungs- und Gemeinkosten ist laut Ethos zu befürchten, dass der Fusion tausende Arbeitsstellen zum Opfer fallen.

Auch die Aktionärsvereinigung Actares lehnt die Fusion aus diesem Grunde ab. 15'000 Angestellte beider Fusionsteilnehmer würden ausgelagert in andere Unternehmen wie beispielsweise die irische CRH.

"Sie haben zum Erfolg von Holcim und Lafarge beigetragen, erhalten aber nur ungenügende Arbeitsplatzgarantien. Entlassungen oder eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen sind zu befürchten", schreibt Actares. Auch das im Rahmen der Fusion vorgeschlagene Führungssystem werfe Fragen auf, insbesondere das Doppelpräsidium im Verwaltungsrat durch Wolfgang Reitzle und Lafarge-Chef Bruno Lafont.

(Mit Material von SDA)